Porträt

SPD, FDP, AfD: Sicherts neue Alternative

von Redaktion

Greding – Am Ende kann sich Martin Sichert nicht mehr halten. Den ganzen Vormittag über saß er ruhig da, nur mit dem rechten Bein wippte er immer wieder nervös. Aber als das Ergebnis zur Wahl zum AfD-Landesvorsitzenden feststeht, springt er auf und trabt im Laufschritt zur Bühne. „Ich nehme diese Wahl an“, sagt er, dann ist er gleich schon wieder runter und lässt sich auf die Schulter klopfen. Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei.

Der Diplomkaufmann aus Nürnberg, 37, seit September im Bundestag, war Favorit auf die Nachfolge von Petr Bystron, er setzte sich gegen Martin Hebner (Kreis Starnberg) und Werner Meier (Amberg-Neumarkt) durch. Profiteur ist der nationalkonservative „Flügel“, der an Einfluss gewinnt. Manche in der Partei nennen Sichert den inoffiziellen Anführer dieser losen Gruppe mit vielen Björn-Höcke-Fans. Es gab auch eine gemeinsame, nicht-öffentliche Veranstaltung. „Ich treffe mich mit allen Mitgliedern“, sagt Sichert. Er sei keiner Strömung zuzuordnen. Wofür steht er?

Die Parteikarriere Sicherts ist volatil. In der SPD war er mal, und Anfang der 2000er-Jahre Bezirks-Chef des FDP-Nachwuchses. In der Euro-Debatte entdeckte er die AfD, seine Mitgliedsnummer ist die 52. Wie bei vielen AfD-Mitgliedern hat seine Parteivita aber Flecken. Unter Sicherts Führung brach der Nürnberger Kreisverband in zwei Verbände auseinander. 2013 war er schon mal für zwei Stunden Landesvorsitzender, bis der Parteitag wegen Unstimmigkeiten bei Wahlzetteln unterbrochen wurde. Sichert, damals als Querulant im Verruf und mit Parteichef Bernd Lucke zerstritten, zog seine Kandidatur zurück. Unter Lucke wäre er auch beinahe aus der Partei geflogen: Weil er den Feldmarschall Erwin Rommel und seine Einsätze im Zweiten Weltkrieg gut findet, weil er die Kriegssieger „die zwei größten Massenmörder“ nannte. „Das ist nichts Rechtsextremes“, sagt Sichert, immerhin seien von Rommel keine Kriegsverbrechen dokumentiert. Ex-Landeschef Petr Bystron stellte das Verfahren ein. Auch Sichert plädiert für „Dialog statt Rauswurf“ – auch Höcke will er in der Partei eine Chance geben, „der redet inzwischen viel moderater“.

Inhaltlich will Sichert den Wohlstand „im Land halten“. Die „Zeit“ nannte ihn „den Robin Hood der AfD“, weil er sich auch für Soziales starkmacht – eher untypisch in der AfD. Zudem will er keine „Abermilliarden“ für Asylbewerber ausgeben und Griechenland aus dem Euro werfen. Und Sichert soll gefordert haben, einen straffällig gewordenen Asylbewerber zur Frau umzuoperieren und nackt nach Marokko zu schicken. Er ist also ein streitbarer Landeschef, der auch von „Ethnopluralismus“ spricht, ein Begriff der Neuen Rechten zur kulturellen Reinhaltung des Staates.

Nach seiner Wahl klatschen nicht alle in Greding, aber im Lager der „Alternativen Mitte“ erkennen sie an: An Sichert führte kein Weg vorbei. Viele nehmen ihm sein Einigkeits-Angebot jedoch nicht ab, werfen ihm jetzt schon „Wortbruch“ vor. Sichert hat jetzt viel zu tun. Sebastian Dorn

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