samstagsKolumne

Heinz wünscht sich Enkel

von Redaktion

Mein Taxifahrer Heinz, mit dem ich in dieser Woche ins Gespräch kam, hat begabte Kinder, nur leider keine Enkel. Sein Sohn (44) hat es bis zum Professor für Germanistik in Berlin gebracht. Dessen Ehefrau (29), eine frühere Studentin des Professors, hat so viel in ihr Studium investiert, dass sie arbeiten und verdienen möchte. An Kinder denkt das Paar vor allem aber deswegen nicht, weil beide sich dem Hobby des Tiefseetauchens verschrieben haben. Dazu fliegen sie in alle Weltteile, bis zu den Malediven. Zeit für Kinder bleibt da natürlich nicht.

Heinz hat aber aus einer zweiten Ehe auch eine Tochter, die jetzt mit 25 Jahren gerade aus dem Elternhaus auszieht. Er zeigt mir das Foto einer bildhübschen jungen Frau, nach der, wie er sagt, alle Männer sich umdrehen. „Da ist dann doch eine Schar von Enkelkindern sicher“, werfe ich ein. Heinz schüttelt den Kopf. Die junge Dame hat noch nie einen Mann geküsst. Sie interessiert sich nur für andere Frauen. Auch dagegen ist natürlich nichts zu sagen, aber wir beiden alten Männer schütteln doch etwas die Köpfe. Dass eine so attraktive Frau für die heutige Männerwelt verloren ist, mag noch angehen. Aber Heinz bedauert, nun auch von dieser Tochter kein Enkelkind erwarten zu dürfen.

Ich kläre ihn darüber auf, welche guten Möglichkeiten es gibt für lesbische Partnerschaften, ein glückliches Kind zu bekommen. Das kann dann die andere Partnerin adoptieren und so entsteht eine richtige Familie. Mit diesem Gedanken aber habe ich Heinz zu viel zugemutet. Er kommt nun auf die vielen ausländischen Taxifahrer zu sprechen und darauf, dass die meisten Kinder heute bei uns von Eingewanderten in die Welt gesetzt werden. Ich betone, dass ein multikulturelles Land nichts Schlechtes sein muss. Aus Heinz ist aber nun kein optimistischer Funke mehr zu schlagen. Sein Traum, Stammvater einer aufsteigenden Familie zu werden, hat sich nicht erfüllt.

Auf der Zugfahrt nach Hause denke ich, wie viele enttäuschte Menschen wie Heinz es wohl geben mag? Ob er vielleicht sogar die AfD wählt? Dabei haben wir Deutschen keinen Grund uns zu beklagen über kinderreiche Ausländer, so lange unsere eigene Jugend lieber zum Tiefseetauchen oder Surfen geht und überhaupt ein ganz ungebundenes Leben führen will. Kinder, das Schönste, was es auf der Welt gibt, stören dabei nur.

Hat am Ende unsere Generation versagt, indem wir vergessen haben, unseren Kindern vorzuleben, dass das Glück der Erde nicht in der Jagd nach weltweiten Vergnügungen besteht?

Weihnachten, das Familienfest mit dem Kindchen in der Krippe, möge unsere jungen Paare überzeugen, im neuen Jahr einmal die Taucherausrüstung beiseitezulegen. Es gibt kein größeres Glück als das Lächeln zwischen Mutter und Kind.

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