Der Start war ungewöhnlich: Als Lars Klingbeil nach der Bundestagswahl als neuer Generalsekretär vorgeschlagen wurde, veröffentlichte er seine Handynummer – mit der Bitte, ihm per WhatsApp Vorschläge für die Neuausrichtung der Partei zu schicken. Die Personaldecke der SPD ist dünn, der 39-Jährige ist eines der Talente der Partei. Beim Parteitag bekam er zum Start 70,6 Prozent – nicht so doll, aber auch kein Beinbruch. Viele Frauen wollten lieber eine Generalsekretärin.
Mit seinen fast zwei Metern und der kräftigen Statur fällt Klingbeil sofort auf. Als SPD-Generalsekretär soll der Niedersachse den Prozess der Erneuerung steuern – er ist kein Lautsprecher, forciert die Digitalisierung der SPD. Neben dem Digitalen hat sich der Sohn eines Berufssoldaten viel mit Verteidigungspolitik befasst. In Berlin wird er auch schon mal bei Hip-Hop-Konzerten gesehen. Für einige Genossen ist sein größtes Manko, dass er eingefleischter Fan des FC Bayern ist.
2005 rückte er in den Bundestag nach und war völlig von den Socken, als Gerhard Schröder Neuwahlen ausrief: „Ich durfte selbst dafür stimmen, mein Mandat zu verlieren.“ Schröder gab dem Nachwuchsmann mit auf den Weg, man müsse in der Politik auch mal Risiken eingehen, Niederlagen in Kauf nehmen, dürfe nie aufgeben. Seit 2009 sitzt er dauerhaft im Parlament.