Berlin – Nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungen ist der FDP-Vorsitzende Christian Lindner auf der Beliebtheitsskala der Politiker in Deutschland eingebrochen. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“ verliert er im Vergleich zum Vormonat 17 Punkte und kommt nur noch auf 28 Prozent Zustimmung. Damit fällt er auf den Wert vom April 2017 zurück. Der FDP-Chef hatte die Gespräche über eine Jamaika-Koalition von Union, FDP und Grünen vor gut zwei Wochen für gescheitert erklärt.
Auch Lindners Partei büßt nach ihrem Ausstieg aus den Sondierungen für eine Jamaika-Koalition in Umfragen stark an Zustimmung ein. Wenn an diesem Sonntag Bundestagswahl wäre, bekämen die Liberalen acht Prozent und damit zwei Punkte weniger als Mitte November, wie am Freitag das neue ZDF-„Politbarometer“ ergab. Um zwei Punkte auf 23 Prozent zulegen konnte die SPD, um einen Punkt die AfD auf 12 Prozent. Die Union verlor in der Umfrage einen Punkt auf 32 Prozent. Grüne und Linke kamen unverändert auf 12 und 9 Prozent.
Im ARD-„Deutschlandtrend“ verlieren die Liberalen ebenfalls: Mit drei Punkten weniger als im Vormonat landen sie nun bei neun Prozent. Mit der Arbeit des Parteichefs sind laut der Umfrage 80 Prozent der FDP-Anhänger zufrieden – zehn Prozent weniger als im November. Unter den Unionsanhängern, einem Lager, dem die FDP laut ARD rund 1,4 Millionen Stimmen bei der Bundestagswahl zu verdanken hatte, schätzen nur noch 30 Prozent Lindners Arbeit – halb so viele wie im Vormonat. Auch in den anderen politischen Lagern büßt der FDP-Chef an Zustimmung ein – nur nicht bei der AfD (64 Prozent).
In der ZDF-„Politbarometer“-Liste der zehn wichtigsten Politiker sackte Lindner ebenfalls ab: Er erhält noch eine Bewertung von 0,3 (November: 1,1) auf der Skala von plus 5 bis minus 5.
Lindner sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Blick auf die schlechteren Werte: „Die FDP ist kein Waschmittelproduzent, der auf immer höheren Marktanteil drängt.“ Man könne seine Partei für ihre Inhalte kritisieren. „Wir möchten aber nicht kritisiert werden, weil wir für nichts stehen.“
Auf die Frage, ob es einen zweiten Anlauf für ein Jamaika-Bündnis geben könne, sagte FDP-Vizevorstand Wolfgang Kubicki: „Die Wahrscheinlichkeit liegt in dieser Wahlperiode bei null – ohne Neuwahlen wäre nur sehr schwer zu vermitteln, warum sich dieselben Personen, die eine Sondierung bereits für gescheitert erklärt haben, plötzlich noch einmal an den Verhandlungstisch setzen sollten.“ Kubicki hatte zuvor mit der Äußerung für Wirbel gesorgt, bei einem Scheitern einer Großen Koalition müsse auch die FDP die Lage neu bewerten. dpa/mm