Deutsche Pilger lassen sich von Unruhen nicht abschrecken

von Redaktion

Reisende berichten aus Jerusalem: Zwischen politischer Spannungslage und touristischem Alltag liegen oft nur wenige hundert Meter

Jerusalem – Vier Wochen reisen im Heiligen Land – Jerusalem, Bethlehem, die Negev-Wüste. Pfarrer Holger Zizelmann von der Schwäbischen Alb gönnt sich nach seinem 50. Geburtstag den ersten Besuch seines Lebens in Israel und den Palästinensergebieten. „Ich habe natürlich nicht gewusst, in was für eine globale Lage ich da reingerate“, sagt Zizelmann in der Dormitio-Abtei am Rande der Altstadt von Jerusalem.

US-Präsident Donald Trumps Entscheidung, im Alleingang Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, löste Unruhen im Heiligen Land aus, bei denen vier Palästinenser getötet und hunderte verletzt wurden.

Pfarrer Zizelmann hat das Wochenende in Jerusalem verbracht. Und? „Es relativiert sich oft vor Ort“, sagt er über die Situation und die Berichterstattung in den Medien. „Ich habe das Gefühl gehabt, ich kann mich frei bewegen.“ Am Freitag habe er das arabische Viertel in der Altstadt gemieden. Aber am Samstag sei er durch das Damaskustor zur Altstadt gegangen, ein Brennpunkt auch in den aktuellen Unruhen.

„Da war dann schon ein Stück mehr Militärpräsenz“, sagt Zizelmann – und sehr viele Journalisten mit Kameras. Ein Stück weiter hätten sich Jugendgruppen zusammengeballt, berittene Polizei sei unterwegs gewesen, Rettungswagen hätten schon bereitgestanden. „Da lag wirklich so eine Spannung in der Luft, das sah brenzlig aus, das war schon auch erschreckend.“ Er sei dann schnell weggegangen. Ein paar hundert Meter weiter hätten Touristen wieder Souvenirs gekauft.

Die Bilder von brennenden Flaggen im Heiligen Land, palästinensischen Steinewerfern und israelischen Soldaten, die Tränengas einsetzen, haben Besorgnis auch in Deutschland ausgelöst. Doch deutsche Urlauber kommen weiterhin nach Jerusalem, wie Daniela Epstein vom Reiseanbieter Sar-El Tours sagt. „Wir haben mehrere tausend deutsche Touristen pro Jahr, wir haben keine einzige Stornierung“, sagt die Israelin mit deutschen Wurzeln. Noch am Sonntag seien drei Gruppen in Bethlehem im Westjordanland gewesen. Dort steht die Geburtskirche. An dieser Stelle soll nach christlichem Glauben Jesus Christus geboren worden sein.

„Mir ist nicht bekannt, dass einer aus diesen Gruppen unsicher war und abreisen wollte“, sagt Epstein. Natürlich würden jetzt Gruppenleiter für künftige Reisen anrufen und nachfragen. „Ich war ununterbrochen in der Altstadt, kreuz und quer in der Stadt unterwegs, die Altstadt ist voller Touristen“, ist Epsteins Antwort. „Man muss einfach etwas Geduld haben und abwarten, was geschieht.“

Epstein betont, dass viele Palästinenser kein Interesse an einem neuen Aufstand hätten. „Mindestens 50 Prozent der Arbeitskräfte sind in Hotels tätig, in Restaurants, als Chauffeure“, sagt Epstein. Der Tourismus schafft Arbeitsplätze, versorgt Familien. Blutige Unruhen würden vor allem zahlungskräftige Besucher abschrecken.

Nach Angaben des israelischen Tourismusministeriums sind in den ersten zehn Monaten des Jahres insgesamt 180 000 Deutsche ins Land gereist – ein Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit bilde Deutschland die viertgrößte Touristengruppe nach den USA, Russland und Frankreich, sagt eine Ministeriumssprecherin. Stefanie Järkel

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