Pfarrer Peter Brummer aus Tutzing bei Starnberg nimmt zusammen mit der Pfarrgemeinde St. Joseph und dem zuständigen Team seit drei Jahren Flüchtlinge ins Kirchenasyl auf. Wir haben mit ihm über seine Motivation gesprochen.
-Pfarrer Brummer, gewähren Sie zur Zeit Flüchtlingen Kirchenasyl?
Ja, wir betreuen zwei Jesiden aus der Nähe von Mossul. Im Irak sind sie in doppeltem Sinne eine Minderheit: als Kurden und als Religionsgemeinschaft. Die beiden sollen nach Ungarn und Bulgarien abgeschoben werden, weil sie dort zuerst Asyl beantragt haben. Aber die Zustände sind in beiden Ländern unzumutbar. Oft geht die Abschiebung sofort in die Herkunftsländer weiter.
-Wie sind die beiden an Sie geraten?
Wie immer. Ein Rechtsanwalt meldet sich und liefert die Dokumente. Wir besprechen uns mit dem katholischen Büro in München und der dafür zuständigen Rechtsanwältin. Sie überprüft die Notwendigkeit und die Chancen auf Asyl. Es geht immer um Härtefälle. Wir haben auch schon Fälle abgelehnt. Unsere zwei Plätze wollen wir Menschen geben, die in großer Not sind.
-Viele halten das Kirchenasyl für eine Aushöhlung des Rechtsstaats. Was ist Ihre Motivation?
Wir suchen uns keine Flüchtlinge, wir haben genug andere Probleme. Aber wenn man mit der Not eines Menschen konfrontiert ist, muss man sein Gewissen und seine Möglichkeiten befragen. Und eins ist klar: Wir untergraben den Rechtsstaat nicht. Wir geben ihm die Möglichkeit, mit seinen eigenen Instrumenten Unrecht zu verhindern. Die Entscheidungsbehörden stehen unter enormem Druck, da passieren Fehler. Ein Indikator ist, dass wir in den meisten Fällen am Ende Recht bekommen.
-Sie machen das schon sehr lange. Erleben Sie viele Anfeindungen?
Zunächst mal erleben wir unter den Menschen, die vor Ort mitwirken, großen Zusammenhalt. Der Pfarrgemeinderat steht voll dahinter, auch einige Ärzte, die uns helfen. Aber es gibt auch Anfeindungen, meist per Mail und anonym. Wir scheuen die Auseinandersetzung nicht.
-Akzeptiert die Gemeinde die Flüchtlinge?
Insgesamt ja. Wir verlangen von den Asylbewerbern, aktiv mitzuwirken: Sprachunterricht jeden zweiten Tag. Lernen, wie und mit welchen Werten wir hier leben. Wir betreiben eine wertvolle Integrationsleistung. Die Jesiden nehmen sogar an Gottesdiensten teil.
-Bayerns Staatsanwaltschaften stehen in der Kritik, weil sie gegen Pfarrer ermitteln, die Kirchenasyl gewähren. Gegen Sie auch?
Vor 22 Jahren war ich mal in der Situation und hatte ein gutes Gespräch mit dem Oberstaatsanwalt. Jetzt habe ich auch ein Schreiben bekommen und musste meine Personaldaten angeben. Ich bin bereit.
-Wie lange bleiben die Flüchtlinge bei Ihnen?
Drei bis sechs Monate. Sie bekommen nach dieser Zeit die Möglichkeit, dass ihr Verfahren noch mal aufgenommen wird. Mehr können wir nicht erreichen. In den vergangenen drei Jahren haben wir 25 Menschen betreut, davon sind sicher 20 erfolgreich gewesen.
-Thomas de Maizière kritisiert die Kirchen-Praxis. Was entgegnen Sie ihm?
Angesichts von 500 000 Asylentscheidungen im Jahr 2017 ist das Kirchenasyl so ein kleines Thema, dass man die Energie auf andere Fragen legen sollte. Ich habe den Eindruck, dass das zum Symbolthema gemacht wird, um Härte zu demonstrieren. Es gibt überhaupt keinen Grund zur Aufregung. Man sollte den Kirchen danken für alles, was sie für Menschen in Not in dieser Gesellschaft tun.
Interview: Marcus Mäckler