Die Grünen suchen eine neue Führung

Im Labyrinth

von Redaktion

So schnell kann es gehen: Bis vor kurzem galten die Grünen noch wie selbstverständlich als kommende Regierungspartei eines Berliner Jamaika-Bündnisses. Jetzt, drei Monate nach der Wahl, finden sich Göring-Eckhardt, Hofreiter & Co. plötzlich als kleinste Oppositionsfraktion im Sechs-Parteien-Bundestag wieder. Die Neuordnung der Parteispitze nach dem Rückzug Özdemirs im Januar wird da fast schon zur Überlebensfrage. Doch wie im grünen Proporz-Labyrinth aus Linken oder Realos, Mann oder Frau, Parteijob oder Regierungsamt das richtige Duo für den Weg in die Zukunft finden? Oder verblassen alte Glaubensgrundsätze?

Geht es nach dem neuesten Stern am grünen Firmament, dem Nordlicht Robert Habeck, sollten die Grünen alte Zöpfe abschneiden und das Lager-Denken beenden: Habeck verkörpert als Umweltminister nicht nur den grünen Markenkern, er will die Wohlstandsbürgerpartei auch für breite Schichten öffnen. Das allerdings passt nicht zur linken Parteichefin Simone Peter, deren ideologische Weltfremdheit die Grünen für bürgerliche Wähler zum roten Tuch macht. Die junge Kandidatin Annalena Baerbock hätte demgegenüber zwei Vorteile: Sie ordnet sich nicht nur einem Parteilager zu, als Brandenburgerin könnte sie auch frischen Wind unter den lahmenden Ost-Flügel bringen. Mit dem Bayer Hofreiter als Fraktionschef hat die Linke immerhin die Machtbastion Fraktionsspitze besetzt.

Das Personal ist aber nur das eine. Neben der Umweltpolitik fehlt den Grünen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Denn ihre linken Positionen – etwa in der Flüchtlingspolitik – werden von der großen Mehrheit der Wähler nicht geteilt.

Alexander Weber

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