Die „Macron-Mania“ nimmt kein Ende. Seit Charles de Gaulle hat kein Präsident den europäischen Führungsanspruch Frankreichs so verkörpert wie der 39-jährige Hausherr im Elysée-Palast. Er macht damit den Ausfall Berlins und Londons umso augenfälliger. Egal welches Themenfeld, von den Krisenherden der Golfregion über die Terrorgefahren in der afrikanischen Sahelzone bis zum Amerika-Autisten im Weißen Haus: Macron ist als Hansdampf in allen Gassen unterwegs.
Neueste Bühne: die Klimakonferenz in Paris. Bei aller Selbstdarstellung und manchem Blendwerk (etwa der angekündigte Kohleausstieg bis 2021; kein Kunststück bei 75% Atomstromanteil in Frankreich): Macron geht es vor allem um eins: Effizienz. Er lässt sich von Trumps Klima-Abschied nicht beirren – und verbündet sich stattdessen mit Amerikas Forschern, Bundesstaaten und Wirtschaftsführern wie Bill Gates oder den großen Finanzinvestoren, die ihre Billionen-Vermögen mehr und mehr aus der Kohle-Industrie abziehen. Das bewirkt ein Vielfaches mehr als Diplomaten-Floskeln auf Gipfelpapieren.
Diesen Esprit könnte auch EU-Europa gut gebrauchen. Man muss nicht allem zustimmen, was Macron will (Euroraum-Budget). Aber die Chance, Europa fit(ter) für die Zukunft zu machen, war lange nicht so groß. Merkel, bitte melden!
Alexander Weber
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