USA

„Me-too“-Protest erreicht das Weiße Haus

von Redaktion

von Friedemann Diederichs

Washington – Für Kirsten Gillibrand, eine US-Senatorin aus New York, steht fest: „Donald Trump muss zurücktreten.“ Drei weitere Senatoren, alle von den Demokraten, unterstützen ihre Forderung. 56 Mitglieder des Kongresses sind es mittlerweile, die sich für eine Untersuchung der Vorwürfe gegen den amerikanischen Präsidenten einsetzen. Es ist das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass die „Me-too“-Bewegung auch das Weiße Haus erreicht – und ein Teil von Amerikas Volksvertretern nicht mehr hinnehmen will, dass die zahlreichen Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen gegen Trump keinerlei Folgen haben sollen.

Insgesamt 13 Frauen sind bisher an die Öffentlichkeit getreten und haben den Präsidenten in ein schlechtes Licht gerückt. Am Montag hatten drei von ihnen in New York bei einer Pressekonferenz ihre Vorwürfe präzisiert. Die Wahl Trumps sei ein enormer Schock für sie gewesen, erklärten Rachel Crooks, Jessica Leeds und Samantha Holvey. Leeds, die von Trump während eines Fluges betatscht worden sein soll, kritisierte, manche Männer würden nun zwar für ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen. „Aber wir ziehen nicht unseren Präsidenten zur Rechenschaft.“

Präsidentensprecherin Sarah Sanders hatte erkennbar Mühe, eine überzeugende Verteidigungsstrategie vorzutragen. Der Journalistenfrage, ob sie selbst schon einmal das Opfer von sexueller Belästigung in der Arbeitswelt geworden sei, wich sie aus. Dann zog sie sich auf eine früher benutzte Standardformel zurück: Alle Beschuldigungen, die doch so lange vor seiner Präsidentschaft lägen, seien unwahr und erfunden. Und das Thema sei ohnehin zu den Akten gelegt worden, als die US-Bürger Trump mit „überwältigender Mehrheit“ (Sanders) ins Amt geholt hätten.

Auch Trump selbst meldete sich gestern zu Wort – wie üblich via Twitter. Nachdem die Demokraten vergeblich illegale Verbindungen seines Teams nach Moskau nachzuweisen versucht hätten, wendeten sie sich jetzt den „falschen Anschuldigungen und erfundenen Geschichten“ über von ihm begangene Übergriffe gegen Frauen zu, schrieb er. Was Trump verschweigt: Die Russland-Geschichte ist längst noch nicht abgeschlossen. Die Verbindung wird von einem Sonderermittler untersucht, den das Justizministerium im Mai eingesetzt hatte.

Mehrfach hat Donald Trump die Frauen bereits der Lüge bezichtigt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Bis heute haben jedoch Trumps Anwälte einen solchen Schritt nicht unternommen – wohl fürchtend, dass dann zahlreiche neue Details über einen Politiker ans Licht kommen würden, der einst geprahlt hatte: Er könne aufgrund seiner Prominenz Frauen ungestraft zwischen die Beine fassen.

Trumps Versuche, die Vorwürfe aus der „Me too“-Bewegung zu beerdigen, hatten jetzt auch einen negativen politischen Nebeneffekt. Bei der mit Hochspannung erwarteten Senats-Nachwahl im Bundesstaat Alabama am gestrigen Abend sah sich Trump im Prinzip gezwungen, den des Missbrauchs Minderjähriger beschuldigten Republikaner Roy Moore zu unterstützen. Dieser habe doch die Vorwürfe bestritten, so Trump zu seinem weiter gültigen alleinigen Bewertungsmaßstab.

Seine Kritikerin Kirsten Gillibrand greift Trump frontal an. Die Politikerin aus seiner Heimat New York sei ein „Leichtgewicht“, twitterte er. Vor „nicht so langer Zeit“ habe sie bei ihm noch um Wahlkampfspenden „gebettelt“.

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