Merkel besucht Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz

von Redaktion

Berlin – Bei einem überraschenden Besuch des Weihnachtsmarkts an der Berliner Gedächtniskirche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Opfer des Terroranschlags vor einem Jahr gedacht. Sie kam am Dienstagabend für eine 30-minütige Visite zum Breitscheidplatz.

Hinterbliebene der Opfer des Terroranschlags hatten sich zuvor über die aus ihrer Sicht mangelnde Fürsorge des Staates nach dem Anschlag beklagt. Sie warfen Merkel in einem offenen Brief Untätigkeit und politisches Versagen vor. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer, Kurt Beck (SPD), äußerte gestern Verständnis für die Kritik. Die Angehörigen hätten von Angela Merkel ein erwartet, sagte er der „FAZ“. Die Betroffenen hätten das Gefühl, „dass ihr Opfer nicht ausreichend gewürdigt worden ist“.

An der Stelle des Anschlags, wo immer wieder Blumen abgelegt und Kerzen angezündet werden, verharrte Merkel mit dem Chef des Berliner Schaustellerverbandes, Michael Roden, und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft City, Klaus-Jürgen Meier. Jeder legte eine weiße Rose nieder.

Zudem unterhielt sich die Kanzlerin mit Passanten, Besuchern und Budenbetreibern, um ihre Solidarität mit den Betroffenen auszudrücken. Merkel sprach auch mit Susanne Wollenschläger, an deren Stand zwei Menschen gestorben waren, sowie mit dem Schausteller Max Müller, dessen Stand komplett zerstört worden war.

Am Stand Berliner Weihnachtsterrassen ließ sich die Kanzlerin einen alkoholfreien Glühwein einschenken – und bedankte sich beim Besitzer des Standes, Axel Kaiser, und seinen Mitarbeitern für ihren Einsatz vor einem Jahr. Sie versorgten damals leicht verletzte Opfer. Kaiser sagte, Merkels Besuch sei eine tolle Geste.

Die Kanzlerin informierte sich auch bei Polizisten der mobilen Wache. Nach dem Attentat waren auf vielen Weihnachtsmärkten die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.

Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen tötete der islamistische Terrorist Anis Amri am Abend des 19. Dezember 2016 zwölf Menschen und verletzte etwa 70. Er wurde vier Tage später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen.

An der zentralen Gedenkveranstaltung zum Terroranschlag nimmt neben Merkel auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Er wird am 19. Dezember in der Gedächtniskirche sprechen.

Artikel 6 von 11