Schule ist nicht zum Sitzenbleiben da. Die Diskussion darüber gibt es schon lange, überflüssig ist sie deswegen nicht. Die meisten Schüler empfinden die als „Ehrenrunde“ belächelte Zwangsmaßnahme als Demütigung. Das sollte man ihnen ersparen. Sitzenbleiben in seiner althergebrachten Form ist pädagogisch und ökonomisch gesehen antiquiert. Und zwar aus einem Grund: Es ist unsinnig, dass ein Schüler, der in zwei oder drei Fächern einen Fünfer hat, das komplette Schuljahr, also zehn oder mehr Fächer, erneut aufgebürdet bekommt. Wird das so vollzogen, macht man Nachhilfe zur Strafe.
Die komplette Abschaffung des Sitzenbleibens kann freilich erst am Ende eines Entwicklungsprozesses stehen. Sie setzt ein anderes Denken an den Schulen voraus, ein Denken, das die individuelle Förderung des Schülers in den Mittelpunkt stellt, dem Schüler aber gleichzeitig vor Augen führt, das er dafür auch etwas leisten muss. Die Abschaffung des Sitzenbleibens darf nicht zur anstrengungslosen Schule führen. Aussichtslos ist das nicht. Das zeigen die bayerischen Grundschulen, wo die Sitzenbleiber-Quote nur noch 0,2 Prozent beträgt. Diese Marke sollte den anderen Schularten ein Vorbild sein.
Dirk Walter
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