Referendum. Unabhängigkeitserklärung. Zwangsverwaltung durch Madrid: Katalonien hat einen verdammt heißen Herbst hinter sich. Inzwischen hat sich die Lage in der aufmüpfigen spanischen Region beruhigt, heute soll mit der Neuwahl des Parlaments die Normalität wiederkehren. Ein frommer Wunsch. Denn seit Oktober ist zu viel zu Bruch gegangen – ökonomisch, gesellschaftlich, politisch.
2500 Firmen haben ihren Sitz verlegt, weg aus Katalonien. Dort und im Rest Spaniens hat ein verbissener Nationalismus Aufwind bekommen. Und die einst in Wut vereinten Separatisten sind gespalten. Das Gesicht der Krise, Kataloniens Ex-Regionalchef Carles Puigdemont, hat es nicht mal geschafft, eine überparteiliche Liste aufzustellen. Auch wenn er und die alten Verbündeten die Wahl gewinnen sollten, ist eine stabile Koalition also nicht sicher. An all dem ist zu großen Teilen Puigdemont schuld, dessen Kurs der kalkulierten Eskalation völlig fehlschlug. Dazu kommt die Unerbittlichkeit der spanischen Regierung Rajoy. Vernünftige Gespräche? Fehlanzeige. Beide Seiten folgten lieber dem Motto: national vor rational. Das ist bis heute so.
Immerhin: Anders als beim Referendum rechnen Beobachter heute mit einer hohen Wahlbeteiligung. Am Ende könnte also eine ehrliche Antwort auf die Frage stehen, wie die Katalanen wirklich zur Unabhängigkeit stehen – wenn auch leider keine deutliche. In Umfragen liegen beide Lager eng beieinander. Nach einer Klärung der katalanischen Frage sieht das nicht aus.
Marcus Mäckler
Sie erreichen den Autor unter
Marcus.Maeckler@ovb.net