Auch für Papst Franziskus war die Situation auf der koreanischen Halbinsel in seiner Weihnachtsbotschaft ein Herzensanliegen. Er rief dazu auf, im Interesse der ganzen Welt die Gegensätze zu überwinden, damit das gegenseitige Vertrauen wachsen könne. Gleichzeitig forderte Moskau über die Feiertage, dass die USA einen Dialog mit Nordkorea starten. Doch ob all diese gutgemeinten Worte Wirkung zeigen werden in einem Konflikt, der auch 2018 weiter der gefährlichste globale Krisenherd mit maximalem Zündstoff sein wird? Wenig spricht derzeit für Entspannung.
Ein klares Indiz dafür ist die Intensität, die Nordkorea in Sachen Aufrüstung und Atomtechnologie in 2017 an den Tag gelegt hat. Eine Besessenheit, die gegen jede Einigung im Stil des Iran-Atomabkommens spricht, sollte das Regime überraschend Verhandlungsbereitschaft zeigen. Nachdem Pjöngjang im September seinen sechsten und bisher stärksten Atomtest durchführte, folgte Ende November der Teststart der Hwasong-Interkontinentalrakete, die nach Aussage von Nordkorea jedes Ziel in den USA treffen könne. Damit wird klar, dass Kim Jong Un in militärischer Nukleartechnologie die beste Lebensversicherung für sein Regime sieht – und Gesprächsversuche wohl zum Scheitern verurteilt sind.
Die besten Chancen für eine Änderung des Verhaltens Nordkoreas liegen in einem weiteren Anziehen der Sanktionsschraube, zumal die bestehenden Strafmaßnahmen weiter von China und Russland unterlaufen werden. Der US-Präsident muss deshalb bald entscheiden, was er bevorzugt: Freundliche Beziehungen zu den Schutzmächten Nordkoreas – oder ein weiter steigendes Konfliktpotenzial in der asiatisch-pazifischen Region.
Friedemann Diederichs
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