Weihnachtspredigten

Gegen Krieg und Immobilienspekulation

von Redaktion

von Annette Reuther und Christoph Driessen

Rom/Berlin – Der Papst drückt sich in seiner Weihnachtsbotschaft sehr deutlich aus. Einen Krieg nach dem anderen zählt Franziskus auf – in Jerusalem, in Syrien, dem Irak, im Jemen und in Korea, Venezuela und Afrika. Es gebe „Kriegsstürme“, sagt der Papst, er warnt vor dem „Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt“. In seiner Rede auf dem Petersplatz in Rom fordert er zudem mehr Mitgefühl. Aus Angst vor Fremden müsse Liebe werden. Jeder müsse sich einsetzen, „unsere Welt menschlicher und würdiger für die Kinder von heute und morgen zu gestalten“.

50 000 Katholiken verfolgen am ersten Weihnachtsfeiertag die Rede, in der besonders die zugespitzte Situation in Jerusalem eine Rolle spielt. US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem wenige Tage zuvor als Hauptstadt Israels anerkannt, was zu internationaler Kritik und neuen Unruhen zwischen Israelis und Palästinensern gesorgt hatte. „Wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wieder aufzunehmen, und dass man endlich zu einer Verhandlungslösung gelange, die innerhalb von miteinander vereinbarten und international anerkannten Grenzen eine friedliche Koexistenz zweier Staaten ermöglicht.“

Ein weiteres Leitmotiv war der Aufruf zu mehr Mitgefühl für Flüchtlinge. Schon seit Beginn seiner Amtszeit setzt sich Papst Franziskus immer wieder dafür ein. „Wir erblicken Jesus in den vielen Kindern, die gezwungen sind, ihre Länder zu verlassen, alleine unter unmenschlichen Bedingungen zu reisen und so zur einfachen Beute der Menschenhändler werden“, sagte der Pontifex. „Unser Herz möge nicht verschlossen sein, wie es die Häuser von Betlehem waren.“ Auch in der Christmette an Heiligabend hatte das Thema eine zentrale Rolle gespielt, genauso beim Besuch des emeritierten Papstes Benedikt XIV.

Kurze Aufregung gab es während der Weihnachtsfeierlichkeiten andernorts: Eine halb nackte Aktivistin einer Frauenrechtsorganisation versuchte, das Jesuskind aus der Krippe am Petersplatz zu stehlen. Sie wurde laut Polizei mit einer anderen Frau aus der Ukraine festgenommen.

Die deutschen Bischöfe forderten in ihren Weihnachtspredigten derweil mehr Solidarität in der Gesellschaft. Der Kölner Kardinal Rainer Woelki übte scharfe Kritik an Immobilienspekulanten. „Mehr und mehr Menschen können sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind“, kritisierte Woelki. Die Folge: Es fehle preiswerter, bezahlbarer Wohnraum. „Das ist zynisch, im letzten sogar menschenverachtend.“ Das Gemeinwesen funktioniere nur, wenn sich Durchschnittsverdiener das Wohnen noch leisten könnten.

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