Mei, so eine Aufregung im Netz! Da twittert der Chef einer Tageszeitung am Heiligabend den provokanten Satz „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Und schon geht eine Riesendebatte durchs Netz. Zunächst einmal: Da will jemand am Fest des Friedens einfach nur zündeln. Mit der alten Frontendebatte: Sollen sich die Kirchen in politische Debatten einmischen oder sich auf Seelsorge und reine Glaubensvermittlung beschränken?
Mindestens einmal im Jahr wird das hochemotional diskutiert, meist von Menschen, die sonst nicht gerade zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern gehören. Und die sich politisch darüber ereifern, wenn ihnen Pfarrer und Bischöfe bis hin zum Papst den Spiegel vorhalten und ihre doch so gern im Munde geführte Christlichkeit und Menschenliebe einfordern. Wer zu Weihnachten in einer Kirche war, der hat viel gehört von christlicher Verantwortung, Nächstenliebe und Frieden. In vielen Predigten ist auch über Flüchtlinge gesprochen worden – schließlich musste auch die Heilige Familie nach der Geburt Jesu fliehen. Zurecht erwartet man von Predigern, dass sie die heutigen Verhältnisse im Licht des Evangeliums beleuchten. Politische Ideologien habe ich im Gottesdienst nicht gehört. Stattdessen wurde ein Friedenslicht weitergereicht. Aber das macht keine Schlagzeilen.
Claudia Möllers
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