Berlin – Seit ihrem Bestehen sind bei der Stasi-Unterlagenbehörde mehr als 3,2 Millionen Anträge auf Einsicht in Akten der DDR-Staatssicherheit gestellt worden. 2017 seien es bis Ende November etwa 46 300 Anträge gewesen, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Die meisten, nämlich 13 200, in Berlin. 2016 waren es insgesamt 48 600. Obwohl die Zahlen zurückgingen, sei das Interesse noch höher, als anfangs erwartet.
Manche Menschen wagten erst jetzt als Rentner den Blick in die Vergangenheit und beantragten Akteneinsicht, sagte Jahn. Es gebe noch die Angst, zu entdecken, von Nachbarn oder Freunden bespitzelt worden zu sein. Neu seien verstärkte Nachfragen der „Enkelgeneration“, die mehr über das Leben gestorbener Familienangehöriger wissen wolle. Sie machten 15 Prozent der Erstanträge aus.
„Die Akten klären Schicksale auf, sie sind Dokumente von Menschenrechtsverletzungen und nach wie vor ein wichtiges Instrument der Aufarbeitung“, so der 64-Jährige. Seit 1992 gibt es die Möglichkeit zur persönlichen Einsicht in Unterlagen, die die Stasi über Menschen ohne deren Wissen geführt hat.
Jahn zeigte sich überzeugt, dass es die persönliche Einsicht in die Papiere dauerhaft geben wird. Mit dem Bundesarchiv würden Vorschläge zur Zukunft des Archivs erarbeitet. Eine Expertenkommission hatte empfohlen, die Stasi-Akten bis 2021 ins Bundesarchiv zu überführen, eine Stiftung einzurichten und die frühere Stasi-Zentrale zum „Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand“ weiterzuentwickeln. Doch die Vorschläge liegen auf Eis.