Rücktritte in Politik und Spitzensport können zähe Angelegenheiten sein. Auch Witali Mutko hat sich nicht einfach von seinen Ämtern verabschiedet, sondern die Macht Stück für Stück abgegeben. Zunächst als Chef des russischen Fußballverbandes, und das auch ausdrücklich nur für sechs Monate, nun als Cheforganisator der Fußball-WM. Vize-Premier bleibt er hingegen.
Allein die letzte Personalie zeigt, wie wenig ernst zu nehmen der Amtsverzicht in Wahrheit ist. Alles im russischen Spitzensport ist politisch durchwirkt, für kein Thema gilt das stärker als für die WM. Sie ist das Prestigeprojekt schlechthin im Riesenreich, und so lange sich Mutko in höchsten Sphären bewegt, bleibt sein Einfluss intakt.
Der einzige Unterschied besteht darin, dass er künftig hinter den Kulissen agiert statt im grellen Licht der Scheinwerfer. Dort war der Mann, der verantwortlich ist für den russischen Dopingskandal, selbst für Präsident Putin, seinen langjährigen Weggefährten, nicht mehr tragbar. Man sollte das Manöver nicht als Einsicht missverstehen, dass etwas eklatant schiefläuft in Russlands Sport. Mutkos Rücktritt ist keine Lösung. Nur Krisen-PR.
Marc Beyer
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