Die CDU hat die Bundestagswahl verloren, aber die Kommunikationsschlacht danach gewonnen: Nicht die Kanzlerin war es, die sich nach dem historischen Verlust eines Fünftels ihrer Wähler Rücktrittsforderungen ausgesetzt sah. Das Scherbengericht traf zunächst andere: erst den wendigen Horst Seehofer und seine CSU. Später die SPD mit ihrem Ich-weiß-nicht-was-ich-will-Schulz. Und zwischendrin die Jamaika-Spielverderberin FDP. Doch hat erst Christian Lindners Weigerung, in eine Koalition unter Angela Merkel einzutreten, der Kanzlerin jene Niederlage zugefügt, unter deren Wucht ihre Ära nun zu wanken beginnt.
Es ist, wenn man so will, die späte Rache der FDP für die vierjährige Auslöschung ihrer parlamentarischen Existenz nach 2013. Immer kämpferischer verknüpfen die Liberalen einen gemeinsamen Neuanfang bürgerlicher Politik mit dem Abgang Merkels – eine Vision, die wie eine Verheißung auch tief in die Unionsparteien hineinwirkt. Zu tief sitzt der Frust über Merkels Wirtschafts-, Energie- und Migrationspolitik. Doch die Kanzlerin wird nicht stürzen, jedenfalls nicht so schnell: Sie ist durch die Umstände in ihrem Amt gleichsam eingemauert. Selbst in dem (unwahrscheinlichen) Fall, dass ihr auch die Neuauflage einer Großen Koalition misslingt und der Bundespräsident Neuwahlen ausruft, bleibt der Union kaum eine Wahl, als abermals mit Angela Merkel in die Schlacht zu ziehen. Mit wem denn sonst? In der CDU steht kein Markus Söder bereit. Nur ein Jens Spahn, der aber – ebenso wie David McAllister oder Annegret Kramp-Karrenbauer – noch Einarbeitungszeit für das wichtigste Staatsamt benötigt.
Das ändert nichts daran, dass mit Merkels Scheitern beim quälenden Versuch, eine Regierung mit Grünen und Liberalen zu bilden, der unaufhaltsame Zerfall ihrer Autorität begonnen hat. Erste Anzeichen gab es vorher schon: Nicht ihre Freundin Annette Schavan wurde Chefin der Konrad-Adenauer-Stiftung, sondern Norbert Lammert. Gravierender: In der Partei hat das Raunen über mögliche Nachfolger begonnen, befeuert von Umfragen, dass eine Mehrheit der Deutschen nach zwölf Jahren ihrer Kanzlerin überdrüssig ist. Der 63-Jährigen bleibt nicht mehr viel Zeit, Datum und Umstände ihres Abschieds selbst zu wählen.
Georg Anastasiadis
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