Umfrage zur Kanzlerschaft

Unheilvolle Daten für Merkel

von Redaktion

VON Teresa Dapp und Christian Deutschländer

Berlin/München – Von Angela Merkel war zuletzt eher wenig zu sehen. Die Kanzlerin weilt mit ihrem Ehemann im Skiurlaub in der Nähe von St. Moritz, bewegt sich durch Tiefschnee-Loipen auf 1800 Meter Höhe. Sie habe neue Skistöcke, notierte ein Reporter der „Bild“-Zeitung, ansonsten sei alles wie immer – ein schnörkelloses Vier-Sterne-Hotel, kaum Aufregung um den prominenten Gast.

Die Urlaubsfreude dürfte spätestens am Mittwochmorgen aber erheblich getrübt worden sein. Da veröffentlichte die dpa eine Umfrage, wonach Merkels Beliebtheit nach der bisher erfolglosen Regierungsbildung deutlich gelitten hat. Nun sind Zweifel an Prozentzahlen von Umfragen vor allem nach der Bundestagswahl sehr angebracht – der Trend dürfte aber stimmen. Die Hälfte der Bundesbürger hofft darauf, dass Merkels nächste Amtszeit vorzeitig, also vor 2021, enden wird.

Auf 47 Prozent beziffert das Meinungsforschungsinstitut YouGov diesen Anteil; Anfang Oktober waren es nur 36 Prozent. Von den Unionswählern sind derzeit 17 Prozent dafür, dass Merkel früher geht. 75 Prozent wünschen sich eine vierjährige Amtszeit. Bei den Wählern des möglichen Koalitionspartners SPD sieht das ganz anders aus: 64 Prozent wollen sie vorzeitig loswerden. Bei den Grünen sind es 40, im FDP-Lager 55, bei der Linken 67 und bei der AfD 82 Prozent.

Auffällig ist, dass derzeit vor allem die FDP Merkel ins Visier nimmt. Parteichef Christian Lindner hatte vor Weihnachten schon über neue Jamaika-Gespräche orakelt und das mit einer personellen Erneuerung in der Union verknüpft. Frei formuliert: Lasst uns wieder reden, wenn Merkel weg ist. Nun legt FDP-Vize Wolfgang Kubicki unmissverständlich nach. Auch er spricht von personeller Erneuerung. Bei der Union gebe es noch keine Veränderungen. „Aber das wird notwendig sein. Die Freien Demokraten sind nicht dafür gewählt worden, eine Kanzlerschaft von Angela Merkel zu sichern.“ Die Union solle sich Gedanken machen, „wie sie aus dem Jammertal der knapp 30 Prozent rauskommen will“. Es gebe in der CDU eine ganze Reihe guter Leute, die für eine Erneuerung stünden. Namentlich nennt Kubicki Jens Spahn und Daniel Günther.

Gleichzeitig hält er Merkel Sabotage-Absichten vor. Der CDU-Vorsitzenden sei es nie darum gegangen, Jamaika hinzubekommen. „Sie hat daran gebastelt, die Fortsetzung der Großen Koalition zu erreichen. Das ist ihr gelungen“, sagt Kubicki der Funke-Mediengruppe. Auch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer macht deutlich, Merkel müsse sich an die Spitze einer innerparteilichen Reform stellen, „oder sie wird durch neue Generationen abgelöst werden müssen“.

Auch aus der SPD, zumindest dem linken Flügel, kommen Rückzugsforderungen an die Kanzlerin. „Das Ende von Merkels Amtszeit hat begonnen“, sagt Juso-Chef Kevin Kühnert: „Die SPD täte gut daran, diese Amtszeit nicht zu verlängern.“

Merkel wird in den nächsten Tagen wieder in Berlin auftreten und dort vermutlich ihre Neujahrsansprache aufnehmen. In der Union halten sich mögliche Kritiker bisher zurück. Selbst die CSU, die sich um ihr Landtagswahlergebnis im Herbst 2018 sorgt, hält sich zurück. Auf die Frage nach den 47 Prozent gegen Merkel unkt einer aus dem Parteivorstand: „Wenn uns von der anderen Hälfte alle wählen, holen wir eine absolute Mehrheit.“

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