Start ins Landtags-Wahljahr 2018

Plötzlich im Rampenlicht

von Redaktion

Das bayerische Wahljahr 2018 beginnt mit einem eindeutigen Angebot aus dem fernen Berlin. FDP-Chef Christian Lindner stellt frühzeitig klar, dass seine Liberalen bereit stünden, um einer geschrumpften CSU im neuen bayerischen Landtag als Mehrheitsbeschafferin zu dienen. Der Mann aus dem Bergischen Land muss allerdings noch lernen, dass er für seine „Modernisierungskoalition“ nicht ausgerechnet Nordrhein-Westfalen als Vorbild anführen sollte – darauf reagiert die CSU geradezu allergisch.

Spaß beiseite: Es ist schon bemerkenswert, wie nach den Freien Wählern und den Grünen nun die nächste Partei den anstehenden Wahlkampf mit einem offenherzigen Koalitionsangebot an die CSU beginnt. Bemerkenswert zum einen, weil unter den politischen Köpfen keiner mehr ernsthaft zu glauben scheint, dass die Christsozialen unter ihrem neuen Spitzenkandidaten Markus Söder die absolute Mehrheit verteidigen könnte. Und zum anderen, weil sich Oppositionsparteien zunächst einmal in die harte Auseinandersetzung mit einer Regierung stürzen sollten, ehe sie sich als kleines Korrektiv in einer CSU-geführten Koalition anbiedern. Gerade für die FDP, die in Bayern über deutlich weniger charismatische Köpfe als auf Bundesebene verfügt, birgt diese von Berlin geprägte Strategie gewaltige Gefahren.

Der CSU muss die Entwicklung dennoch Sorgen bereiten. Der Partei droht die Selbstverständlichkeit ihres allumfassenden Machtanspruchs abhanden zu kommen. Mit der Frage, wer als Koalitionspartner überhaupt infrage kommt, rückt die Opposition plötzlich ins Rampenlicht. Und dort lassen sich Wähler deutlich leichter mobilisieren als im Schattendasein der letzten Jahrzehnte.

Mike Schier

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