Ist ein Film über die Verbrechen von Neonazis automatisch preisverdächtig? So einfach ist es nicht. „Aus dem Nichts“ hat in Hollywood nicht gewonnen, weil sich damit eine politische Botschaft verbinden lässt. Den Golden Globe hat Fatih Akins Werk in allererster Linie erhalten, weil es gut gemacht ist. Kamera, Besetzung, Regie, Drehbuch – dieses oft kaum zu ertragende Drama ist in allen diesen Kategorien preiswürdig.
Dennoch ist der Film auch politisch. Akin hat die NSU-Morde als Ausgangspunkt genommen. Wer ihm jetzt vorwirft, sich an der Realität zu bedienen, aber den ganzen Irrsinn des jahrelangen neonazistischen Mordens unter den Tisch fallen zu lassen, tut ihm Unrecht. Denn gerade dadurch, dass er die Trauer der Überlebenden in den Vordergrund stellt, setzt er all den Hinterbliebenen terroristischer Akte ein filmisches Denkmal.
„Aus dem Nichts“ ist ein politischer Film. Natürlich. Aber nicht einer, der nur auf Deutschland beschränkt Gültigkeit hat. Weil er vom Leid erzählt, das Menschen – egal welcher Gesinnung, welchen Glaubens, welcher Herkunft – einander antun können. Ein Film, der aber eine kleine Flamme der Hoffnung niemals erlöschen lässt. Und auch deshalb zum Kunstwerk wird.
Katja Kraft
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