#MeToo-Debatte

Mehr Selbstbewusstsein

von Redaktion

Ja, es ist widerwärtig, dass Menschen für sexuelle Abenteuer ihre Macht ausnutzen. Und jeder, der Untergebene mit Gewalt zu (sexuellen) Handlungen nötigt, gehört verurteilt und von Entscheidungsposten entfernt. Doch auch das ist Realität: dass sich manche Frauen und Männer auf die Wünsche der Person mit Einfluss einlassen, um die Karriereleiter hochzuklettern. Wer mag darüber urteilen? Letztlich muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen, ob berufliches Fortkommen diesen Schritt wert ist.

Wenn aber Personen, die einst nicht nein gesagt haben, obwohl sie eine Wahl gehabt hätten, Vorwürfe erheben, ist das scheinheilig und ein Schlag ins Gesicht der tatsächlichen Opfer. Das Argument „sonst hätte ich keine Rollen bekommen“ legt den Opportunismus der Betroffenen offen. Ist keine Gewalt im Spiel, bleibt immer eine Wahl. Jede fremde Hand, die auf dem Oberschenkel liegt, kann weggeschoben werden. Dafür braucht es Selbstbewusstsein im Sinne von: sich seines eigenen Wertes bewusst sein.

#MeToo kann der Anfang sein. Dafür, dass auch schüchterne Frauen den Mut haben, nein zu sagen. Und sich mit anderen zusammenzutun, um Widerlinge in die Schranken zu weisen. Dann werden Machtstrukturen aufgebrochen. Und kann eine Anmache, die man nicht erwidert, einfach als Kompliment genommen werden.

Katja Kraft

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