Wenigstens eine Last muss die CSU vorerst nicht mehr mit sich herumschleppen: die bleischwere Frage, ob sie es schafft, 2018 ihre Alleinherrschaft in Bayern zu verteidigen. Bei der Landtagswahl am 14. Oktober geht es eher darum, ob die CSU einen Mehrheitsbeschaffer braucht – oder zwei. Für den neuen Frontmann Markus Söder ist das eine ganz passable Ausgangslage: Die schlechten Umfragewerte seiner Partei sind erstens nicht ihm anzulasten. Und sie lassen dem neuen CSU-Hoffnungsträger zweitens noch genügend Luft nach oben.
Nach dem Merkel-Schulz-Ähnlichkeitswettbewerb bei der Bundestagswahl haben wenigstens die Bayern eine klare demokratische Alternative: Sie können zwischen dem Konservativen Söder und der SPD-Linken Natascha Kohnen wählen. Mit dem Nachteil für Kohnen, dass deren aktuell bei traurigen 16 Prozent gemessenen Genossen über keine Machtperspektive verfügen und froh sein müssen, wenn sie nicht von den starken Grünen überflügelt werden. Söder hingegen überrascht nach dem mit großer Härte geführten innerparteilichen Machtkampf, bei dem auch Hinweise auf die angeblich mangelnde charakterliche Eignung des Kandidaten nicht fehlten, mit erstaunlich hohen persönlichen Zustimmungswerten: 75 Prozent der Wähler halten den 51-Jährigen für führungsstark, 74 Prozent finden, dass er zu Bayern passt, 58 Prozent bescheinigen ihm Glaubwürdigkeit. Das sind Zahlen, die weit über jenen der Partei liegen – und die die Machtbalance in der Doppelspitze mit Seehofer weiter zu seinen Gunsten verschieben.
Die größte Zugkraft entfaltet Söder unter dem Anhang jener Parteien, die mit der CSU um Mitte-Rechts-Wähler konkurrieren: 67% der Sympathisanten von Freien Wählern und FDP finden ihn gut und sogar 85% der AfD-Anhänger. Wenn man es als die demokratische Aufgabe der CSU betrachtet, die radikale Rechte langfristig wieder aus dem Parlament zu drängen (und nicht wie die Merkel-CDU um Wähler von Grünen und SPD zu buhlen), dann hat die Partei mit der Erneuerung in Bayern viel richtig gemacht.
Georg Anastasiadis
Sie erreichen den Autor unter
Georg.Anastasiadis@ovb.net