Zahlen sprechen für Fußball-Videobeweis

Emotional erstickt

von Redaktion

Der Videobeweis macht im Fußball Karriere. Sicher ist, dass nächste Saison weitere große Ligen in die Testphase einsteigen, und wahrscheinlich wird er auch bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr zugelassen werden. In der Bundesliga – die Bilanz liegt nun vor – konnten 37 Fehlentscheidungen verhindert werden, die gravierend gewesen wären und irgendjemanden viel Geld gekostet hätten.

Das klingt nach Erfolgsstory – ist aber keine. In der Rückrunde wird der Videobeweis kein bisschen mehr an Akzeptanz finden. Zumal sich Verband, Liga und Klubs nicht dazu durchgerungen haben, das erklärende Videomaterial dem Zuschauer im Stadion zur Verfügung zu stellen. Der wird beherzt sein „Scheiß DFB“ anstimmen, wenn der Referee für Minuten hinterm Monitor verschwindet und dann vielleicht ein Tor annulliert, weil eine halbe Ewigkeit zuvor der Ball an eine Hand gesprungen ist. Der Fan, der den Fußball noch live miterlebt (und es werden allmählich weniger), spürt, dass der TV-Kunde längst der wichtigere ist.

Vor allem: Der Videobeweis wird den Fußball auch weiterhin emotional ersticken. Keiner traut sich mehr, beim Tor zu jubeln, und das Spiel entfernt sich in der Leistungsspitze immer weiter vom „normalen“ Fußball im Semiprofi-, Amateur- und Jugendbereich. Fußball unten und Fußball oben werden zu verschiedenen Sportarten. Das ist das kleine Plus an Gerechtigkeit nicht wert.

Günter Klein

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