In München wird es erstmals seit Jahrzehnten eine ÖPNV-Offensive geben. CSU und SPD wollen sieben Projekte für 5,5 Milliarden Euro gleichzeitig planen und die Entscheidung, was zuerst gebaut wird, vom Nutzen abhängig machen. Parteipolitische Präferenzen werden keine Rolle mehr spielen.
Der Schulterschluss ist löblich und angesichts des Wachstums auch notwendig. Denn der ÖPNV ist hier über die Kapazitätsgrenze hinaus belastet. Um da wirklich Abhilfe zu schaffen, braucht es dieses Gesamtkonzept, das nicht allenthalben auf Gegenliebe stoßen wird. „Ich wage zu prognostizieren, dass die Begeisterung für den Ausbau des ÖPNV bei uns im Rathaus größer ist als dann bei den Bürgern vor Ort“, sagte OB Dieter Reiter (SPD).
Klar: Dauerbaustellen nerven die Menschen. CSU und SPD haben jedoch etwas vorgelebt, was sich jeder zu Herzen nehmen sollte, nicht nur beim ÖPNV-Ausbau, sondern auch, wenn es um neue Wohnungen geht. Die Parteien haben eigene Interessen für ein höheres Ziel zurückgestellt – ein solches Vorgehen ist die Basis für die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt. Auch der Zeitpunkt war geschickt gewählt, denn noch kann man auf die Sondierer in Berlin einwirken. Die neue Regierung muss zwingend Wachstumsregionen wie München finanziell mehr unterstützen. Sonst geht hier nämlich bald nichts mehr voran.
Sascha Karowski
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