Bayerns beliebteste Politiker

Unbequem, unentbehrlich

von Redaktion

In der Politik gibt es glatte Funktionärskarrieren. Und verschlungene Wege wie den von Barbara Stamm. Alle fünf Jahre zittert sich die Frau, die seit Urzeiten Bayerns beliebteste Politikerin ist, dem Parlament vorsteht und 2017 sehr ernsthaft als Bundespräsidentin gehandelt wurde, hauchdünn auf der CSU-Liste in den Landtag. (Einen eigenen Stimmkreis für sie fand die Partei ja in 42 Jahren nicht.) In diesen Wochen wird sich die Unterfränkin entscheiden, ob sie sich diese Tortur noch mal antut. Während vielerorts Regierende auf ihren Sesseln kleben, bis die Stuhlbeine durchrosten, flehen immer mehr in der CSU die 73-Jährige ehrlich an, 2018 wieder anzutreten.

Nicht, dass sie bequem wäre; keine huldvoll winkende Grüßgott-Tante im Präsidentenamt. Stamm nutzt ihren Sonderstatus stattdessen, um auch ihrer Partei mit Nachdruck ins Gewissen zu reden. Sie hinterfragt Abschiebungen ins Kriegsland Afghanistan, sie erinnert schmutzelnde Minister öffentlich an den Anstandsbegriff, sie rügt die CSU für ihren teils quälend dürftigen Frauenanteil. Ohne ihr in allem zuzustimmen, auch ohne ihr Handeln etwa in der Abgeordnetenaffäre zu glorifizieren: Stamm tut der Volkspartei CSU, vor allem jetzt mit der eher ruppigen Führungsfigur Söder, sehr gut. Sie ist eine Instanz. Das sind in der Politik nicht viele.

Mehr noch: Ohne Typen wie sie wären noch ein paar Prozent mehr verloren. Ob Söder demnächst ein erfolgreiches Personaltableau aufstellt, wird deshalb nicht daran hängen, dass er den 17. Hilfsstaatssekretär perfekt ausproportioniert. Sondern ob es ihm gelingt, auch die ihm abwartend-skeptisch gegenüberstehenden Persönlichkeiten wie Stamm zum Weitermachen zu bewegen.

Christian Deutschländer

Sie erreichen den Autor unter

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 1 von 11