Wer die Bilder von der Automesse in Detroit sieht, könnte meinen, die Automobilindustrie hätte alle guten Vorsätze zu Verbrauch oder Klimaschutz vergessen. Das ist aber falsch. Die US-Industrie hatte auf Benzinsparen gesetzt, solange der Sprit teuer war. Seit die Ölpreise wieder moderat sind, kommen die schweren SUV und Pickup-Trucks zurück – und kaum einer nimmt dort daran Anstoß.
Ist das wirklich das Land, das den Volkswagen-Konzern auf den Pfad der ökologischen Tugend zurückgebracht hat? Wieder ein Missverständnis. VW hat US-Behörden und US-Verbraucher getäuscht. Der Konzern und – härter noch – ein Mitarbeiter wurden dafür drakonisch bestraft. Im Zentrum stand das Fehlverhalten. Um Ökologie ging es nur am Rand. Und mit den Strafen ist die Sache ausgestanden. Die folgende, quälend lange Diskussion, wie man die betrügerische Autoindustrie und – mit Fahrverboten – möglichst auch ihre Kunden dauerhaft büßen lässt, wird vor allem in einem Land der Welt geführt: in Deutschland.
Zweifellos steht die Automobilindustrie vor einschneidenden Veränderungen. Es ist ein Wandel, wie er seit Einführung des Fließbandes nicht mehr stattgefunden hat. Am Ende werden Fahrzeuge stehen, die von der Steuerung bis hin zur Antriebstechnik mit heutigen Autos kaum mehr zu vergleichen sind. Um die Entwicklung zu finanzieren, sind die teuren, spritschluckenden und – für die Hersteller – renditestarken Autos unverzichtbar. Nur sie bringen das Geld ein, mit dem der Wandel finanziert werden kann.
Martin Prem
Sie erreichen den Autor unter
Martin.Prem@ovb.net