Sport wurde schon öfter in der Geschichte als Eisbrecher in eingefrorenen politischen Beziehungen genutzt. Man denke an die überraschende Einladung Chinas an ein Tischtennis-Team der USA (Pingpong-Diplomatie), mit der die Annäherung zwischen Präsident Nixon und Mao Anfang der 70er-Jahre symbolhaft begann. Trägt der jetzige Plan der beiden Koreas, bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Pyeongchang am 9. Februar unter gemeinsamer Flagge aufzutreten, den Keim baldigen Friedens in sich?
Diese Hoffnung dürfte trügerisch sein. Das gegenwärtige Entspannungs-Szenario passt Nordkoreas Diktator Kim Jong Un einfach ins Kalkül. Nach seiner Serie von Atom-und Raketentests hat er ein wichtiges Etappenziel erreicht: den Vorraum zum elitären Atomclub dieser Welt, auch wenn noch viele Fragen über die tatsächliche Einsatzfähigkeit seiner Vernichtungswaffen offen sind. Jetzt kommt Kim die weltweite Aufmerksamkeit der Spiele recht, um sein Image aufzupolieren und Entspannung zu simulieren. Nach dem Erlöschen des olympischen Feuers dürfte Kim wieder zum Säbelrasseln zurückkehren und Stärke gegenüber den USA demonstrieren. Amerika betont zwar seinen Willen zu einer diplomatischen Lösung. Wie eine solche aber ohne China und Russland erzielt werden kann – sie wurden zur gerade beendeten Korea-Konferenz in Vancouver erst gar nicht eingeladen – bleibt Washingtons Geheimnis.
Alexander Weber
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