München – Es klingt wie ein Routinetermin: Aufstellung der Liste für die Landtagswahl. Doch der oberbayerischen Grünen-Spitze sollte der Termin inzwischen die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Ämterbonus kennt die Basis nicht. Eher Ämtermalus. In Schwaben verpasste die schwäbische Basis 2013 der damaligen Landeschefin Theresa Schopper eine schwere Abfuhr – die beliebte Sozialpolitikerin flog aus dem Parlament. In Oberbayern erwischte es den Fraktionschef Martin Runge: Der landete nur auf Listenplatz acht und letztlich vor den verschlossenen Toren des Maximilianeums.
Am Samstag nehmen die oberbayerischen Grünen nun Anlauf auf die Wahl 2018. Und wieder müssen einige zittern. Runge etwa. Der hat im vergangenen Herbst doch noch den Weg zurück ins Parlament gefunden, als Nachrücker für Margarete Bause, die in den Bundestag wechselte. Doch von einem Platz ganz oben kann Runge, jetzt einfacher Abgeordneter, auch 2018 nur träumen.
Immerhin: Die ersten auf der Liste sind einigermaßen sicher. Die Fraktionschefs Katharina Schulze und Ludwig Hartmann (beide München) dürften auf den ersten beiden Plätzen als gesetzt gelten. Danach folgt die Biobäuerin Gisela Sengl aus Traunstein. Ab Platz 4, so heißt es intern, sei dann mit Kampfkandidaturen zu rechnen: Gute Chancen werden Markus Büchler eingeräumt. Der Vorsitzende des neu gegründeten Bezirksverbands Oberbayern kommt aus dem Landkreis München, inzwischen der zweitgrößte Kreisverband in ganz Bayern. Auf Platz 5 erwarten viele Gülseren Demirel, bislang Fraktionschefin im Münchner Stadtrat. Für Platz sechs gibt es offenbar mehrere Bewerbungen: den verdienten Runge wahrscheinlich, aber auch Johannes Becher, Kreisrat in Freising und in den Fußstapfen des ausscheidenden Christian Magerl unterwegs.
Das sind viele Namen für wenige Plätze, zumal danach noch etliche prominente Vertreter folgen. Ex-Fraktionschef Sepp Dürr hat nach überstandener Krebserkrankung beschlossen, noch mal für den Landtag anzutreten. Spätestens auf Platz 12 will er landen. „Damit die Wähler sehen, dass ich noch lebe“, sagt er, was bei seiner Geschichte lustiger klingt, als es ist.
Auch der ehemalige dritte Münchner Bürgermeister Hep Monatzeder strebt in den Landtag. Er will exakt Platz 18 – „eine symbolische Zahl“, sagt er angesichts seiner 18 Amtsjahre in München und der Liebe zu 1860 München. „Bei uns wird es viel Auswahl geben. Wie immer“, sagt Fraktionschefin Schulze. Sie setzt auf einen bunten Mix der Liste – Stadt/Land, Alter, Geschlecht, Fachgebiete.
Wer weit hinten landet, hat einen Trost: Das bayerische Wahlsystem ist demokratischer als das im Bund. In Bayern kann der Wähler die Liste noch mit seinen Kreuzchen durcheinanderwirbeln, außerdem werden Erst- und Zweitstimme bei der Landtagswahl zusammengezählt. Wer also einen schlechten Listenplatz bekommt, aber einen starken Wahlkampf in seinem (am besten großen) Stimmkreis hinlegt, kann am Ende viele Plätze gutmachen. Vor allem die Münchner Direktkandidaten – dort holen die Grünen gute Ergebnisse – ist das von Vorteil. mik/cd