Vor dem Grünen-Parteitag

Große Fallhöhe

von Redaktion

Es ist die Zeit der politischen Superstars: Macron in Frankreich, Kurz in Österreich – charismatische Erscheinung gepaart mit guter Inszenierung brachte zuletzt sensationelle Erfolge. Jetzt glauben auch die Grünen ihren Helden gefunden zu haben, einen neuen Joschka quasi, dessen Strahlkraft aus dem hohen Norden so groß zu sein scheint, dass sich kein Gegenkandidat findet. Selbst ein Cem Özdemir zieht sich lieber aufs politische Hinterbänkchen zurück, als eine Niederlage zu kassieren.

Vielleicht ist Robert Habeck genau der Richtige, um die alten Fundi-Realo-Streitigkeiten zu überwinden. Jetzt, wo das bürgerliche Lager, angetrieben durch die AfD, wieder nach rechts rückt, die Linken streiten und die SPD planlos umherirrt, erscheinen die grünen Lager fast homogen. Wie weit die Partei in dieser Frage ist, wird sich bei der Wahl von Habecks Co-Vorsitzender zeigen. Schafft es mit Annalena Baerbock eine zweite Vertreterin des Realoflügels nach oben, würde das die Statik der Partei radikal verändern. Dann wäre der Weg in die Mitte geebnet – Jamaika oder gar Schwarz-Grün könnten zum Standard werden. Eine Anpassung an die Realität, da es für linke Bündnisse schlicht keine Mehrheiten gibt.

Habeck scheint der Mann, mit dem das alles möglich ist. Genau hier liegt für ihn die Gefahr. Die Fallhöhe ist bereits jetzt enorm. Der Fall Lindner zeigt, wie rasch man in der Politik vom Posterboy zum Prügelknaben wird.

Mike Schier

Sie erreichen den Autor unter

Mike.Schier@ovb.net

Artikel 7 von 11