Davos/Washington – Donald Trump ist ein Mann aus dem Fernsehgeschäft. Zehn Jahre lang trat der US-Präsident mit gewissem Erfolg in der US-Fernsehshow „The Apprentice“ auf. Er weiß, wie man öffentlich Duftnoten setzt. So war es sicher kein Zufall, dass er am Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums in Davos Strafzölle verhängte, unter anderem auf die Einfuhr von Waschmaschinen. Kein Zufall war auch, dass der Republikaner das Wort „Handelskrieg“ in den Mund nahm.
Und ganz sicher kein Zufall war es, dass sein beim Chef einigermaßen in Ungnade gefallener Handelsminister Wilbur Ross, gewissermaßen als Vorhut, in der Schweiz eine Rede hielt, die mit recht eindeutiger Kriegsrhetorik gespickt war. „Jetzt besetzen die US-Truppen ihre Verteidigungsmauern“, sagte Ross, eine 80 Jahre alte Wall-Street-Legende in Trumps Kabinett. Handelskriege gebe es ja schließlich jeden Tag.
Dann tritt Trump auf: Mit dem Hubschrauber schwebt der Mann ein, auf den in Davos seit Tagen gewartet wird. Trump und sein Gefolge schieben sich, begleitet von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, durch das Kongresszentrum. Es ist ein kurzer erster Auftritt vor seiner Rede am heutigen Freitag.
Für den US-Präsidenten ist es die Reise zu einem Treffen, für das er als Unternehmer nie gut genug war, um willkommen zu sein – schon darin könnte ein Teil der Motivation liegen, die Trump in die Höhle des Löwen treibt. Er wolle als Anwalt der US-Wirtschaft auftreten, Investitionen an Land ziehen und um Betriebe werben, die von seiner Steuerreform profitieren wollen, hieß es im Vorfeld aus dem Weißen Haus. Getreu dem Motto „America First“. Und „Great Again“, „wieder großartig“, ist es auch, weil die Börsenkurse auf Rekordniveau sind, wie Trump-Berater Gary Cohn zum x-ten Mal feststellt – und die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief.
Es wird spannend zu beobachten sein, wie Trump am Freitag empfangen wird. Schon vor seiner Ankunft dominierte er das Treffen, das elitärer kaum sein könnte und bei dem das Gegenteil von dem gepredigt wird, was Trump eigentlich will. Mit der Britin Theresa May demonstriert Trump nach einem Vier-Augen-Gespräch Geschlossenheit, nach einem Treffen mit Israels Premier Benjamin Netanjahu erntet er erneut Schulterklopfen für seine umstrittene Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Zudem ordnete er an, die Zahlung von Hilfsgeldern an Palästinenser zu stoppen.
Die Stimmung in den Konferenzsälen und Hinterzimmern in Davos ist zwiegespalten. Prominente Redner wie Indiens Regierungschef Narendra Modi kritisieren kaum verhohlen die US-Politik der Abschottung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten für Freihandel und Zusammenarbeit geworben und Abschottung einzelner abgelehnt.
Bei den Konzernchefs ist das Bild nicht so eindeutig. Mit ihnen isst Trump am Donnerstag zu Abend. Einerseits sind die meisten Unternehmenslenker Feuer und Flamme, wenn es um Trumps Steuerreform geht – schließlich müssen sie nun weniger an den Staat abdrücken. Andererseits geht ihnen die Abschottungspolitik gegen den Strich. Trumps Strafzölle, von denen die Fachwelt in den nächsten Wochen noch mehr und noch höhere erwartet, seien falsch, schimpft etwa der renommierte US-Ökonom Joseph Stiglitz in Davos. „Es ist schlecht für die Umwelt, es ist schlecht für die amerikanische Wirtschaft, es ist schlecht für Jobs.“
Auch beim Dollar-Kurs gibt es unterschiedliche Meinungen, selbst in Trumps eigener Regierung. Er wünsche sich einen „starken Dollar“, sagt der Präsident am Rande des Wirtschaftsforums in einem Interview mit dem Sender „CNBC“. Die US-Währung werde „stärker und stärker werden, und letztlich möchte ich einen starken Dollar sehen“. Sein Finanzminister Steven Mnuchin hatte zuvor gesagt: „Offensichtlich ist ein schwächerer Dollar gut für uns.“
Es sind Widersprüche und Streitigkeiten, die es immer wieder gibt mit Wissenschaftlern und innerhalb der Administration in Washington. Trump, so munkelt man in der US-Hauptstadt, sei das aber relativ egal. Für seine Anhänger zähle eine einzige Sache: Dass er in Davos Tacheles rede.