Wenn theaternarrische Zuschauer und exzellente Schauspieler gleichermaßen die Münchner Kammerspiele mehr oder weniger fluchtartig verlassen, dann muss einem das zu denken geben. Da dürfen sich weder Kulturreferent Hans-Georg Küppers noch die Kultursprecher der Rathausfraktionen von SPD und Grünen auf eine überhebliche Position zurückziehen.
Das ist es nämlich, wenn man die eigene Fehleinschätzung und die mangelnde Sensibilität des Intendanten Matthias Lilienthal für das Münchner Lebensgefühl dem Publikum anlastet. Hochnäsig von „alten Zuschauern“ oder „Stammpublikum“ zu sprechen, verbietet sich. Genauso wie es unverschämt und ahnungslos ist, „Klassiker“ mit „verstaubt, altmodisch“ gleichzusetzen.
Diese Argumentation, die manche Rathauspolitiker wohl vom Lilienthal-Team übernommen haben, ist ein Ablenkungsmanöver. Denn eigentlich müsste es darum gehen, gutes Theater zu machen – für Jung und Alt, ohne jemanden auszugrenzen. Und keiner soll sich einbilden, dass Performance aktuell und „risikofreudig“ sei. Sie hat zwar nicht Jahrtausende wie ein Sophokles-Stück auf dem Buckel, aber doch mindestens 100 Jahre.
Simone Dattenberger
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