Paris – Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais sind 22 Menschen verletzt worden. Vier Flüchtlinge mit Schusswunden schwebten nach Behördenangaben vom Freitag noch in Lebensgefahr. „Das ist ein Ausmaß der Gewalt, wie wir es noch nie gesehen haben“, sagte Innenminister Gérard Collomb bei einem Besuch vor Ort. Er machte für die Gewalt Schlepperbanden verantwortlich.
Bei den vier lebensgefährlich Verletzten handelt es sich nach Polizeiangaben um Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Eritrea im Alter von 16 bis 18 Jahren. Der Zustand eines fünften Schwerverletzten stabilisierte sich bis Freitag.
Am Vortag war es den Behörden zufolge in Calais an drei verschiedenen Orten zu Zusammenstößen gekommen. Rund hundert Flüchtlinge aus Eritrea und rund 30 Afghanen gingen bei der Essensausgabe aufeinander los, nachdem ein Afghane Schüsse abgefeuert hatte. Nach dem Mann wurde noch gefahndet. Augenzeugen zufolge wehrten sich die Afrikaner mit Knüppeln und Steinen.
Innenminister Collomb reiste unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle nach Calais und kündigte die Entsendung von zwei zusätzlichen Polizei-Einheiten an. Er betonte, die Schlepperbanden gaukelten den Menschen vor, sie könnten über den Ärmelkanal nach Großbritannien gelangen. „Diese Netzwerke müssen zerschlagen werden“, betonte Collomb. In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 Migranten auf. Die Hilfsorganisation l’Auberge des migrants machte ebenfalls Schlepper für die Gewalt verantwortlich. „Sie kämpfen um ,Kunden‘ und um Zugang zu den Parkplätzen“, sagte der Helfer Loan Torondel.