München – Sollte die EU eine Protagonistin für einen neuen Imagefilm suchen: Hier ist sie. Sabine Thillaye. Geboren und aufgewachsen in Remscheid, Nordrhein-Westfalen. Seit 34 Jahren lebt Thillaye in Frankreich, hat auch die französische Staatsbürgerschaft. Für einen Sprachkurs hat sie als Jura-Studentin, damals noch mit dem Nachnamen Fuchs, den Rhein überquert. Der Liebe wegen ist sie geblieben. Und dann das: Seit Juni 2017 ist Thillaye Abgeordnete in der Pariser Nationalversammlung.
Es ist die ungewöhnliche Karriere einer Frau, die lange mit ihrem Mann eine Werbeagentur geleitet hat – und inzwischen viel mehr ist als eine Hinterbänklerin. Denn Thillaye, auffällige Brille, ist voll dabei im politischen Betrieb. Als Vertreterin der Partei „La République en Marche“ von Präsident Emmanuel Macron leitet die 58-Jährige den Europa-Ausschuss. Schon wegen ihrer eigenen Biografie liegt ihr das Thema am Herzen.
Ganz einfach ist es nicht, in diesen Tagen ein Gespräch mit ihr zu führen. Besprechung hier, Regierungsbefragung da. Dazu Reisen nach Berlin, wo sie an einer Neuauflage des Elysée-Vertrags arbeiten. Hat man Thillaye am Telefon, sagt sie sehr freundlich sehr allgemeine Sätze. Dass es um ein „souveränes, geeintes, demokratisches Europa“ gehe. Dass viele Menschen von außerhalb das Konstrukt Europäische Union beneiden. Dass das ein einmaliges Friedensprojekt sei.
Vielleicht ist Thillaye auch deshalb zurückhaltend, weil sie weiß, dass ohne ihr Geburtsland nichts aus Macrons Reformplänen wird. „Ich hoffe natürlich, dass die Regierungsbildung in Deutschland so schnell wie möglich erfolgt“, sagt sie.
Klar ist aber auch: Macron und seine Leute werden in Frankreich nicht in erster Linie an ihren EU-Plänen gemessen. Sondern vor allem an ihrer Innenpolitik. Die gewaltige Arbeitsmarktreform hat vielversprechend begonnen, mehr aber auch nicht. „Wir sind gekommen, um Sachen zu ändern“, sagt Thillaye. „Aber vor dem Reformieren muss man verstehen. Wenn wir die geweckten Erwartungen nicht erfüllen, könnte es durchaus schwierig werden.“
Sie selbst, sagt Sabine Thillaye, finde sich langsam zurecht in ihrem neuen Leben als Politikerin. Eine „Turbo-Ausbildung“ nennt sie die ersten Monate. Ob sie die Aufbruchsstimmung noch spüre, die Macron mit gerade 39 Jahren in den Elysée-Palast getragen habe? Aber ja, ruft Thillaye. „Das ist alles immer noch sehr spannend.“ Anders als in Deutschland sei es in Frankreich das erste Mal, dass Links und Rechts gemeinsam ein Fundament bauen.
Gerade hat die Politikerin Sabine Thillaye häufiger Journalisten aus Deutschland am Telefon. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern trägt es mit Fassung. „Mein Profil ist ja durchaus außergewöhnlich“, sagt sie. Und lacht. M. Heim