Die Winterspiele 2018 laden aus oberbayerischer Sicht zuallererst zu einem bisschen Wehmut ein. Zumindest wenn man sich dem Sport verbunden fühlt. 2018 hätte ein historisches Jahr werden können für München und Garmisch-Partenkirchen, das Jahr, in dem Olympia zu Gast war. Es steht dahin, ob noch mal das grandiose Flair aufgeblüht wäre wie München ’72. Aber es wäre eine große Chance gewesen. Für den Sport, für Oberbayern, auch für Olympia. Auch wenn das viele nicht mehr glauben wollen.
Unbestreitbar ist ja auch, dass die Spiele sich in der Dauerkrise befinden. Sie haben längst ihre Glaubwürdigkeit und auch den Großteil ihres Charmes verloren. Dem notorisch umstrittenen IOC ist es nicht gelungen, die üblen Geister loszuwerden, die das größte Sportfest der Welt nun schon seit Jahrzehnten verfolgen: Doping, Kommerzialisierung, der Verdacht der Kungelei mit den Mächtigen. Inzwischen ist es fast unmöglich, in den klassischen Wintersportländern Europas noch Mehrheiten für die Austragung von Winterspielen zu bekommen. Mehr als hilfreich wäre da ein Imageerfolg des Wettstreits im Zeichen der fünf Ringe. Wird Pyeongchang Impulse liefern können?
Nun, die ersten Eindrücke lassen immerhin die Prognose zu, dass die Südkoreaner alles tun, sich als gastfreundliche, um Heiterkeit bemühte Veranstalter zu präsentieren. Doch Südkorea befindet sich noch auf dem Niveau eines wintersportlichen Entwicklungslandes. Das Gros der Disziplinen hat überhaupt keine entsprechende Tradition. Vielleicht gelingt es, durch die zuletzt in Gang gebrachte politische Annäherung von Nord- und Südkorea während der Spiele ein weltweit sichtbares Zeichen zu setzen. Olympia als Friedensstifter, als Symbol für Verständigung – damit ließe sich der olympische Geist womöglich etwas wiederbeleben. Gerettet wäre er damit aber noch nicht.
Armin Gibis
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