Indem sie sich von ihrem glücklosen Chef Martin Schulz trennt, zeigt die SPD, dass noch nicht alle Lebensgeister aus ihr entfleucht sind. Doch leider drohen die Genossen den Neuanfang gleich wieder zu verstolpern: Was ihre Wähler wohl davon halten, dass mit Schulz ausgerechnet der Mann Außenminister werden soll, der im Verbund mit seinem Freund Jean-Claude Juncker gar nicht schnell genug deutsche Milliarden nach Brüssel schaufeln kann?
Eine – auch inhaltlich fundierte – echte Neuaufstellung der Ex-Volkspartei bräuchte andere Signale. Sie kann nicht auskommen ohne ein Schwergewicht wie Sigmar Gabriel, der ohne blau anzulaufen auch mal das Wort „Leitkultur“ aussprechen kann. In den Arbeiterquartieren des Ruhrgebiets, wo früher alle SPD wählten und heute die AfD ihre Hochburgen hat, würde man so etwas gerne mal hören. Den Volksliebling Gabriel allerdings schickt das Trio Nahles/Schulz/Scholz umstandslos in die Wüste. Nicht weil es die Partei stärkt. Sondern weil ein ureigenes machtpolitisches Interesse die drei verbindet: Die Parteilinke Nahles kann nicht mit ihrem Gegenspieler vom rechten Parteiflügel, der künftige Finanzminister und Vizekanzler Scholz ist mächtiger ohne ihn, und Schulz braucht Gabriels Amt fürs eigene nackte Überleben. Da ist für Sentimentalitäten kein Platz. Für Fragen der Parteiräson leider auch nicht. Aber für das, was die Wähler interessiert, interessiert sich in der SPD-Führung schon lange keiner mehr.
Georg Anastasiadis
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