München – Horst Seehofer lieferte vergangene Woche schon mal einen kleinen Ausblick. „Wessen Handschrift diese Koalitionsergebnisse tragen, lieber Martin, das spare ich mir bis zum politischen Aschermittwoch auf“, sagte der CSU-Chef, nachdem Martin Schulz neben ihm ausführlich die Erfolge der Genossen in der langen Verhandlungsnacht gepriesen hatte. Seehofer wollte sich die parteipolitischen Scharmützel lieber aufheben. „Heute bin ich noch nicht richtig ausgeschlafen.“
Der „liebe Martin“ wird die Reden am politischen Aschermittwoch nun nur noch als interessierter Beobachter verfolgen. Während Seehofer sich ausschlief, stürzte der SPD-Parteichef über die eigene Karriereplanung. Für die Zuschauer hat das einen Vorteil: Die politisch turbulenten Zeiten machen das promillestarke Politritual in diesem Jahr besonders attraktiv. Zwischen GroKo-Drama und Landtagswahlkampf fahren alle Parteien in Niederbayern die erste Reihe ihrer Politiker auf.
Mit Spannung wird in Passau der gemeinsame Auftritt von Horst Seehofer und Markus Söder erwartet. Seehofer war noch nie ein Fan dieser krachledernen Veranstaltung, meist erschien er krank, krächzte sich durch seine Rede. Die Abteilung Attacke überließ er gerne dem Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber. Diesmal dürfte er aber kaum das Rampenlicht allein Markus Söder überlassen wollen. Seehofer soll in seiner Rede zunächst auf die Bundespolitik eingehen, Söder wird sich danach voll auf Bayern konzentrieren. So die Arbeitsteilung. Söder hat Erfahrung, sprach vier Mal als Generalsekretär unter Stoiber. Der letzte Auftritt liegt allerdings elf Jahre zurück. Er plant eine klassische Ascherermittwochsrede: Söder wird über Sicherheit und Finanzen sprechen – dafür ist er als Minister ja eigentlich zuständig. Der Auftritt gilt für den designierten Ministerpräsidenten als wichtige Etappe im Wahljahr.
In der krisengeschüttelten SPD blickt man mit Neugier auf den Auftritt von Olaf Scholz. Eingeladen hatte man den Hamburger Bürgermeister – jetzt kommt der designierte Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Ja, das Geschäft ist schnelllebig. Vor einem Jahr hieß der Redner in Vilshofen Martin Schulz. 5000 Zuhörer kamen und jubelten mit „Martin, Martin“-Rufen dem Kanzlerkandidaten zu. „Olaf, Olaf“-Rufe gelten diesmal als unwahrscheinlich. Dafür wird spannend, wie sich die neue starke Frau der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, im Bierzelt schlägt.
Interessant wird es auch bei den kleineren Parteien. Grüne und FDP bieten ihre Parteichefs auf: Einen ganz frischen und einen, bei dem der Glanz schon ein paar Kratzer bekommen hat. Robert Habeck besucht die Grünen in Landshut, Christian Lindner die Liberalen in Dingolfing. Ein Gradmesser für die kommenden Monate wird dabei auch sein, wie offensiv sich die Parteien der CSU bereits als möglicher Koalitionspartner andienen wollen. In beiden Lagern ist dies ja nicht unumstritten. Die AfD sucht dagegen den Schulterschluss mit den Nachbarn in Österreich: Vor AfD-Parteichef Jörg Meuthen tritt in Osterhofen FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky auf. M. Schier/S. Dorn