Die Bundesregierung ist aufgeschreckt. Eine teure Liste von Maßnahmen hat sie bereits beschlossen, um die Luftqualität in Städten zu verbessern. Jetzt legt sie noch mal nach. Offenbar hat ihr die EU-Kommission gedroht, dass das bisherige Programm nicht reicht.
Dabei ist der nun vorgeschlagene Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr eine schöne, vermutlich aber unrealistische Idee. Bus- und Bahnfahrten zu verschenken, ist für die kommunalen Verkehrsbetriebe sehr teuer. Weder die Länder noch der Bund sind auf Dauer bereit, das zu bezahlen. Deshalb wird der Nulltarif über Experimente oder vorübergehende Notmaßnahmen nicht hinauskommen. Wahrscheinlich wäre es schlauer, mehr Busse und Bahnen einzusetzen sowie neue Linien zu bauen, die die Städte mit dem Umland verbinden. Die meisten Pendler fahren nicht Auto, weil der öffentliche Verkehr so teuer ist, sondern weil das Angebot nicht ausreicht.
Immerhin scheint die Regierung aber den Schuss gehört zu haben. Mehr als zwei Jahre nachdem der Diesel-Skandal bekannt wurde, herrscht Bewegung. Wenn die Politik auch nur einen Teil ihrer Pläne umsetzt, wird die Luft in manchen Ballungszentren wohl deutlich besser.
Hannes Koch
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