CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller muss bangen. Obwohl seine Partei das Ressort wieder besetzt, soll nach einer in Berlin kursierenden inoffiziellen Minister-Liste die junge Unterfränkin Dorothee Bär den Vorzug erhalten. Fachlich wäre das schwer zu rechtfertigen.
Müller soll sich mit fahrigen Auftritten in den GroKo-Verhandlungen Seehofers Ärger zugezogen haben. Doch als Entwicklungsminister hat er etwas geleistet. Dass er in Zeiten globaler Fluchtbewegungen richtige Impulse gegeben hat (etwa mit seiner Marshallplan-Idee), wird auch außerhalb seiner Partei anerkannt. Der CSU steht es gut zu Gesicht, wenn sie nicht nur nach Obergrenze und Abschiebungen ruft, sondern das Problem auch an seiner humanitären Wurzel anpackt. Bär gilt als aussichtsreiches Talent. Aber auf dem Feld der Entwicklungspolitik ist die Staatssekretärin im Verkehrsministerium nicht aufgefallen.
Natürlich ist auch Müller nicht frei von Kalkül. Der Allgäuer mobilisiert sämtliche Fürsprecher. Parteichef Seehofer hat zu der Personalie zuletzt einige unerbetene SMS-Ratschläge von politisch gewichtigen Absendern erhalten. Doch dass ein Minister darum kämpft, seine Projekte weiterführen zu dürfen, ist ihm schwerlich vorzuwerfen. Der Eindruck hingegen, eine aufstrebende, aber fachfremde Politikerin werde einem verdienten Experten vorgezogen, ist fatal in Zeiten, in denen der Vorwurf immer lauter wird, es gehe in der Politik nur um Posten.
Sebastian Horsch
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