Eins muss man Markus Söder lassen. Er handelt ohne viel Federlesen und räumt gnadenlos strittige landespolitische Themen ab. Flächenfraß, Strabs, dritter Nationalpark und jetzt die dritte Startbahn – die Angst vor einem Machtverlust bei der Landtagswahl muss groß sein, sehr groß sogar. Ob die Bürger in der Flughafen-Region das Moratorium im Oktober goutieren werden? Das ist fraglich. Ihnen wäre mit Sicherheit eine endgültige Absage des Großprojekts lieber als das ständige Hinausgeschiebe.
Die Zukunftsaussichten für die Anrainer bleiben also ungewiss. Doch auch hartnäckige Startbahn-Fans werden einräumen müssen, dass es für Söders Entscheidung auch abseits von Wahltaktik gute Gründe gibt. Um genau zu sein, sind es 30 000 gute Gründe. So viele Flugbewegungen fehlen nämlich, um überhaupt den alten Maximalwert aus dem Jahr 2008 wieder zu erreichen. Solange das nicht der Fall ist, bleibt jedes Bekenntnis pro Startbahn merkwürdig schal – und zudem in Zeiten von Klimawandel und Bemühungen um die Minimierung von Flächenverbrauch etwas aus der Welt gefallen. Vieles spricht dafür, dass der Flughafen auf lange Sicht, länger als bis zum von Söder jetzt genannten Ausbaujahr 2025, ohne dritte Bahn sehr gut wird leben können.
Dirk Walter
Sie erreichen den Autor unter
Dirk.Walter@ovb.net