Belgrad – Es gehört nicht zum diplomatischen Alltag, dass sich Staatschefs in die Regierungsbildung anderer Länder einmischen. Aber was ist schon normal in diesen Tagen des Wirrwarrs? Jedenfalls ist nun auch verbürgt, wie der serbische Präsident Aleksandar Vucic den Posten des deutschen Außenministers besetzen würde – wenn er etwas zu sagen hätte.
„Ich würde es gerne sehen, wenn er an einer guten, einer wichtigen Stelle der deutschen Regierung bleiben würde“, sagte Vucic am Mittwoch. Dieser „er“ saß direkt neben ihm. Sigmar Gabriel ist nach den Turbulenzen der vergangenen Woche noch immer geschäftsführend im Amt des Außenministers und nimmt nun auch wieder Termine war. Am Freitag wird er in München zur Sicherheitskonferenz erwartet. Gestern besuchte er Serbien. Vucic rührte dabei kräftig die Werbetrommel für Gabriel. „Ich bin nicht sehr angetan vom diplomatischen Protokoll und deswegen sage ich ganz ehrlich, was ich meine und denke“, sagte der Präsident. Gabriel wich dagegen der Frage eines Journalisten aus, ob er Außenminister bleiben wolle. Zu der Unterstützung Vucics sagte er: „Ich danke für die freundlichen Worte und hoffe, dass Sie sie in Deutschland nicht senden.“
Gabriel hatte in der Vergangenheit mehrfach gesagt, dass er gerne Außenminister bleiben würde – auch noch während der Koalitionsverhandlungen. In der SPD hat er aber nur wenig Unterstützung. Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Die SPD-Führung will zunächst die Entscheidung der Parteimitglieder über den Koalitionsvertrag abwarten.
Anlass der Reise Gabriels ist die neue Westbalkanstrategie der EU-Kommission. Demnach sollen Staaten wie Serbien und Montenegro bei zügigen Reformfortschritten bis 2025 in die EU aufgenommen werden. Heute wollen die EU-Außenminister in Sofia darüber beraten.
Die innenpolitischen Querelen begleiten den ehemaligen SPD-Chef natürlich. Vor allem das Zitat seiner Tochter über Schulz („der Mann mit den Haaren im Gesicht“) hatte Gabriel massiv geschadet. Inzwischen hat er sich aber entschuldigt. Er habe Schulz zunächst eine SMS geschickt, auf die dieser allerdings nicht reagierte, sagte Gabriel der „Zeit“. Am Dienstag habe er dann bei einer Begegnung in der SPD-Zentrale noch einmal persönlich sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Ansonsten zeigt sich Gabriel kleinlaut: „Jeder Parteivorstand hat das Recht, Ministerposten neu zu besetzen.“ Da bleibe nur, „zum Abschied leise Servus zu sagen“. mik/dpa