Die Reinhaltung der Luft ist eine öffentliche, eine hoheitliche Aufgabe. Die Bundespolitik muss dafür Sorge tragen, dass die Grenzwerte bei der Stickoxidbelastung eingehalten, idealerweise deutlich unterschritten werden. Dass dieses Thema nun bei den Verantwortlichen in Berlin angekommen ist, ist wichtig. Die Lösungsvorschläge indes sind nicht zu Ende gedacht.
Sicherlich: Dem Gedanken mag man zustimmen. Sollte der Bund den ÖPNV finanzieren, so dass Kunden künftig kostenlos mit U-Bahn, Bus und Tram fahren können, wäre der Weg frei zur Verkehrswende. Und irgendwann ist dieser Weg zum kostenlosen ÖPNV auch der einzig gangbare, um den Nahverkehr wahrhaftig als Alternative zum Automobil zu positionieren. Aber: In München ist täglich eine Million Autos auf den Straßen unterwegs, inklusive der Ein- und Auspendler. Man stelle sich vor, dass zu den Stoßzeiten weitere 100 000 Menschen in die ohnehin schon überfüllten U-Bahnen, Busse oder Trams drängen. Das System würde unweigerlich kollabieren.
Was Metropolregionen wie München jetzt wirklich brauchen, sind milliardenschwere Investitionen in den Ausbau des Nahverkehrs. Die Bundesregierung würde gut daran tun, eine Art Sofortprogramm aufzulegen, das schnell und unbürokratisch abgerufen werden kann. Denn ohne den Ausbau der Infrastruktur wird das Netz in München zusammenbrechen. Und dann wird es vermutlich nichts mehr mit der Verkehrswende.
Sascha Karowski
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