Die Argumentation ist immer die gleiche: Kaum hat die AfD eine neue rote Linie überschritten, will man es danach nicht so gemeint haben. Wer anderes vermutet, wird in eine Schublade mit all denen gesteckt, die die AfD, die selbst ernannte Stimme der Andersdenkenden, diffamieren. Im Handumdrehen stilisert sich die Partei, die mal auf Flüchtlinge schießen oder Politiker in Anatolien „entsorgen“ will, als Opfer. In den Echokammern des Internets funktioniert das seit Jahren bestens.
Ihren Ausgang nahm diese Haltung als Widerstand gegen überbordende Political Correctness – und bekam viel Zuspruch bis in die Mitte der Gesellschaft. Doch inzwischen hat sich die AfD meilenweit davon entfernt. Sie meint, alles sei erlaubt. Heute verstößt ihr Auftreten immer öfter schlicht gegen die Kriterien einer guten Kinderstube in einer zivilisierten Welt. Gerade Wertkonservative sollten sich schaudernd abwenden, wenn AfD-Politiker in ihrer Kritik am Kindersender „Kika“ nur von „Ficki-Ficki“ sprechen, Angela Merkel als „Nutte“ oder Türken als „Kameltreiber“ bezeichnen. Diese Wortwahl ist mal dümmlich-vulgär, mal kindisch und – so wie jetzt beim Aschermittwoch im Osten – auch offen rassistisch.
Mit der Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik oder gar einer offenen konservativen Flanke der Union hat das längst nichts mehr zu tun. Die angestrebte Zusammenarbeit mit Pegida beweist, dass die Partei immer näher an die NPD rückt – für Bürgerliche ist hier kein Platz mehr.
Mike Schier
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