Valery Gergiev bleibt in München

Aufbruch vertagt

von Redaktion

Eine Formsache. Valery Gergievs Vertragsverlängerung bei den Münchner Philharmonikern dürfte morgen vom Stadtrat abgesegnet werden. Auch Kritiker des Dirigenten müssen ja eingestehen: Fürs Orchester hat er einiges bewirkt. International ist man gefragt (auch weil Gergiev die Tournee-Gagen gern mitnimmt), in der Debatte um die Gasteig-Sanierung und die Akustik der Philharmonie hat er seinen Promi-Status, seine Erfahrung und seine Kontakte in die Waagschale geworfen.

Erstaunlich nur, wie schnell sich begleitende Misstöne verflüchtigt haben. Gergievs fragwürdige Einlassungen zur russischen Homosexuellen-Gesetzgebung: vergessen. Seine Putin-Nähe: verdrängt. Die Stadt hat offenbar nichts dagegen, dass sich ihr teuerster Bediensteter wie kürzlich mit dem Präsidenten auf einer Waffenschau trifft oder ein Propaganda-Konzert im syrischen Palmyra dirigiert. Die übrigen kommunalen Angestellten sehen sich da ganz anderen moralischen Maßstäben ausgesetzt.

Musikalisch gibt es Licht und Schatten. Wenn Gergiev Zeit zum Proben hat und ihn ein Werk interessiert, kann es gut werden. Andere Programme werden nur durchgewunken. Für ein selbsterklärtes Welt-Orchester ist dies zu wenig. Der künstlerische Aufbruch ist auf 2025 vertagt.

Markus Thiel

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