Die Kanzlerin hat zuletzt viel Kritik und manche Schmähung aus ihrer eigenen Partei ertragen müssen. Erledigt aber ist sie noch lange nicht. Mit der Berufung ihrer Vertrauten Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Generalsekretärin macht Angela Merkel zu Beginn ihrer letzten Etappe klar, dass sie sich von ihren innerparteilichen Gegnern nicht einmauern zu lassen gedenkt. „AKK“ ist die Wunschnachfolgerin der Kanzlerin und das letzte Aufgebot der Merkelianer – aber eines, das deren konservative Kritiker um Jens Spahn nicht unterschätzen sollten.
Unprätentiös im Auftritt, unideologisch in ihrem Politik-ansatz, aber gesellschaftspolitisch kantiger als ihre Förderin und, vor allem, unerschrocken: Das sind die Attribute, die die Saarländerin mitbringt, auch wenn sie mit ihren 55 Jahren nicht gerade für die versprochene Verjüngung der Parteispitze steht. Immerhin: Eine Frau, die ihr Ministerpräsidentenamt aufgibt, um sich als Generalsekretärin auf das Wagnis Kampf um die Kanzlerkandidatur einzulassen, hat Schneid. Manche der politischen Akzente, die sie in den letzten Jahren setzte, wirken im Nachhinein wie eine Bewerbung um den CDU-Chefsessel: ihr Kampf gegen das Abhängen der Kruzifixe in den Amtsgerichten ihrer saarländischen Heimat, ihre Skepsis gegen die Ehe für alle, ihr Plädoyer für einen härteren Kurs in der Asylpolitik.
Die Frage ist nur: Reicht das am Ende, um den Reflex ihrer CDU zu besiegen, nach Merkels Abtritt auch mit deren Ära zu brechen? Für den Bruch – nicht nur den programmatischen, sondern auch den der Generationen – steht nicht AKK, sondern der 37-jährige Spahn. Und, vor allem: Lässt Merkel ihrer Vertrauten bei der überfälligen programmatischen Erneuerung der Partei freie Hand? Die CDU ist ihrer Kanzlerin gründlich überdrüssig. Das ist Kramp-Karrenbauers Risiko – und Spahns Chance. Nach der Beförderung ihrer Freundin wird Merkel ihren härtesten Gegner bei der Kabinettsbildung nicht mehr übergehen können, ohne einen offenen Aufstand zu riskieren.
Georg Anastasiadis
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