Wie der Vater, so der Sohn

von Redaktion

Mit nur 40 Jahren könnte Tobias Hans Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland werden

Saarbrücken – Tobias Hans (40) hat im Saarland eine schnelle und steile Karriere gemacht. Schon als 16-Jähriger trat er in die CDU ein, seit November 2015 ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag – und hat sich dort nach Ansicht seiner Parteifreunde für höhere Aufgaben qualifiziert. Gestern Abend haben sich der CDU-Landesverband und die Landtagsfraktion für ihn als neuen saarländischen Ministerpräsidenten ausgesprochen.

Tobias Hans ist sozusagen Fraktionsvorsitzender in zweiter Generation. Schon sein Vater Peter Hans führte die CDU-Landtagsfraktion von 1999 bis zu seinem Tod 2007. Der Sohn kündigte in Saarbrücken am Montagnachmittag zunächst nur an, dass bei den Gremiensitzungen der CDU am Abend über ein „größeres Personaltableau“ beraten werde. Annegret Kramp-Karrenbauer hinterlasse mit ihrem Wechsel in die Parteizentrale in Berlin im Saarland „ein bestelltes Haus“. Zu möglichen eigenen Ambitionen äußerte er sich nicht.

Bei allen Karriereschritten hat sich Tobias Hans an eine Weisheit der Dakota-Indianer gehalten, die er auf seiner Internetseite als Lieblingszitat bezeichnet: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab.“ Sein Studium von Informationswissenschaft, Wirtschaftsinformatik und Anglistik an der Universität des Saarlandes war dementsprechend kurz: Schon 1998, ein Jahr nach dem Abitur, heuerte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Psychosomatischen Fachklinik an.

2006 wechselte er dann als Mitarbeiter zur CDU-Landtagsfraktion, um ein Jahr später persönlicher Referent des Justiz- und Gesundheitsministers Josef Hecken zu werden. Dort habe er „Verwaltungserfahrung und fachliche Expertise“ sammeln können, sagte er.

Zugleich war er vielerorts in der Landes-CDU tätig: Im heimischen Ortsverband Münchwies, im Kreisverband Neunkirchen und seit 2012 auch als parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion. Er war Vorsitzender des Gesundheitsausschusses – das Thema beschäftigt ihn nach wie vor unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender der Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken.

Im März vergangenen Jahres hatte Kramp-Karrenbauer die CDU bei der Landtagswahl zu einem unerwartet deutlichen Wahlsieg geführt. Die Union erreichte 40,7 Prozent der Stimmen, was auch als persönlicher Erfolg der beliebten Regierungschefin gewertet wurde. Und es war der Anfang vom Ende des Schulz-Hypes, der schließlich mit der krachenden Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl seinen Höhepunkt fand.

Nun folgt also Tobias Hans. Zuhause lebt er mit seiner Ehefrau auf einem Pferdehof inmitten von Ställen und Koppeln. In Form hält sich Hans mit Laufen und Reiten. Nachdem er vor einigen Jahren auf diese Weise 18 Kilo abgenommen hatte, hat er den guten Vorsatz, sich die neu gewonnene Beweglichkeit zu erhalten, tatsächlich in die Tat umsetzen können.

Nur tote Pferde reitet er halt nicht. Birgit Reichert

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