Wer Luise Kinseher beseelt durch den sich leerenden Festsaal auf dem Nockherberg hat schweben sehen, der konnte sich nur für die 49-jährige Kabarettistin freuen. Als Mama Bavaria hatte sie seit 2011 den Politikern die Leviten gelesen – auf die ihr eigene, mütterliche Art. Allen recht gemacht hat sie es dabei selten. Nun aber hat sie es ihren Kritikern gezeigt, eine pointierte, punktgenaue Predigt gehalten – und dann den Dienst quittiert. Aufhören, wenn’s am schönsten ist, von Kinseher kann man’s lernen.
Jetzt schießen die Spekulationen über die Nachfolge ins Kraut. Leicht wird es sicher nicht für die Paulaner-Brauerei, denn wenn die Jahre mit Mama Bavaria eines gezeigt haben, dann dass man auch als Fastenredner ein ziemlich dickes Fell braucht. „Wer es zukünftig mit dem Söder aufnimmt, der darf kein Leichtgewicht sein“, rät die scheidende Derbleckerin. Das sollten sich die Verantwortlichen zu Herzen nehmen. Es sollte schon jemand sein, den die Großkopferten ernst nehmen – also jemand mit politischer Kompetenz. Und mit bayerischem Charme. Am Nockherberg darf man nicht wild drauflosmotzen, man muss hinterkünftige Wirkungstreffer setzen können. Es gibt eine Handvoll, auf die all das zutrifft. Hoffentlich kann Paulaner einen von ihnen überzeugen.
Johannes Löhr
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