Fünf Jahre wollte Jorge Mario Bergoglio Papst sein. Diese fünf Jahre sind heute abgelaufen. Von Amtsmüdigkeit ist bei dem 81-jährigen Argentinier nichts zu spüren – aber sein umfangreiches Reformpaket ist auch noch längst nicht abgearbeitet. Deutlich zeigt sich inzwischen, dass sich dieser Papst vom anderen Ende der Welt nicht in die einfachen Kategorien liberal oder traditionell einsortieren lässt. Franziskus denkt Kirche einfach neu. Er hält nichts vom Festhalten an überkommenen Hierarchien, er treibt Bischöfe, ja selbst Kardinäle an, an die Ränder zu gehen. Sich den Armen und Schwachen zuzuwenden. Und ist selber ein Vorbild an Bescheidenheit. Damit erreicht er viele Menschen, die sich in den vergangenen Jahren enttäuscht von der katholischen Kirche abgewendet haben. Aber er verstört auch, warnt vor dem Satan oder erteilt dem Frauenpriestertum eine klare Absage.
Zugleich hat er mit seinen beiden Familiensynoden und der bevorstehenden Jugendsynode im Vatikan eine Diskussionskultur eingeführt. Es darf und soll gestritten werden. Davon wird reichlich Gebrauch gemacht, denn vor allem Traditionalisten fürchten, dass Franziskus die wahre Lehre verraten könnte. Auch in der Kurie erlebt er heftige Gegenwehr gegen seine Ideen. Franziskus braucht noch einige Jahre, um seine Neuerungen zu festigen. Der Reformpapst stellt die Weichen für seine Nachfolge: Ein Drittel der Papstwähler wurde bisher von ihm ernannt.
Claudia Möllers
Sie erreichen die Autorin unter
claudia.moellers@ovb.net