Selten hat ein amerikanischer Außenminister so unter einem Präsidenten gelitten wie Rex Tillerson. Unter Donald Trump, der seine Außenpolitik am liebsten frühmorgens über Twitter betreibt, hatte er nie eine Chance. Und so war es wohl nur zwangsläufig, dass er seinen Herauswurf gestern nicht von Trump persönlich, sondern nach seiner Rückkehr von einer Afrikareise durch einen Präsidenten-Tweet erfuhr. Eine größere Erniedrigung eines Kabinettsmitglieds ist kaum vorstellbar.
Ein Wunder dabei ist, dass Tillerson sein Amt so lange innehatte. Schon im Dezember letzten Jahres berichteten US-Medien über seinen vom Weißen Haus geplanten Abschied – und die jetzt verkündete Nachfolgelösung. Denn die Meinungsverschiedenheiten zwischen Tillerson und seinem Chef waren massiv. Tillerson fand den Iran-Atomdeal Obamas gut, Trump hasst ihn und wird ihn möglicherweise aufkündigen. Tillerson setzte auf Verlässlichkeit auch gegenüber den transatlantischen Partnern und Mäßigung, Trump schert sich keinen Deut darum. Bei den Reizthemen Strafzölle und dem geplanten „Gipfel“ mit Nordkoreas Diktator soll Tillerson schon gar nicht mehr konsultiert worden sein. Nun ist Tillerson von seinem politischen Leiden als Kaltgestellter erlöst worden. Der Präsident wird jedenfalls auch künftig allein die US-Außenpolitik bestimmen. Tillerson-Nachfolger Mike Pompeo kann man nur viel Glück wünschen.
Friedemann Diederichs
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