Die versuchte Ermordung zweier in Großbritannien lebender Bürger durch ein Nervengift aus russischer Produktion ist ein gravierender Vorgang. Der Anschlag übertrifft in seiner Dimension die zuletzt an Moskau gerichteten Anschuldigungen und hat nicht nur das Zeug, das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen nachhaltig zu vergiften, sondern auch das Ansehen der Putin-Regierung weltweit zu beschädigen. Das hat man nach der harten Antwort der britischen Premierministerin und den Solidaritätsadressen aus Washington, Paris und dem Nato-Hauptquartier offenbar auch im Kreml verstanden. Dessen gestrige Beteuerungen, man sei zur Zusammenarbeit bereit, klingen schon deutlich vorsichtiger als die noch von der üblichen Moskauer Herablassung geprägte Reaktion vom Vorabend, London veranstalte mal wieder eine „Zirkusnummer“.
Selbst wenn Russland die Drahtzieherschaft für das Mordkomplott schwer nachzuweisen sein dürfte, steht es nun in der Verantwortung, seinerseits zu erklären, wie das Gift, eine der tödlichsten chemischen Waffen überhaupt, aus staatlicher Kontrolle in falsche Hände gelangen konnte. Und warum, welch Zufall, eines der Opfer ausgerechnet ein übergelaufener russischer Agent war.
Auf die Antwort des Kreml darf man gespannt sein. Und ebenso auf die Reaktion aus London und den anderen Hauptstädten der Nato. Nicht mal einem abgebrühten Spieler wie Putin kann daran gelegen sein, in eine Reihe mit kriminellen Regimen wie jenem in Nordkorea gestellt zu werden. Niemand, auch nicht der hartgesottenste Fifa-Funktionär, käme wohl auf die Idee, dort eine Fußball-WM zu veranstalten. Kein Wunder, dass man in Russland (und im Deutschen Fußballbund) gerade etwas nervös wird.
Georg Anastasiadis
Sie erreichen den Autor unter
Georg.Anastasiadis@ovb.net